Im Jahr 2005 wurden Farbfernsehgeräte mit einem Gewicht von mehr als 15 000 Tonnen aus der EU in afrikanische Länder exportiert. Allein in Nigeria, Ghana und Ägypten trafen täglich rund 1 000 Fernsehgeräte ein. Der durchschnittliche Wert der nach Afrika exportierten Farbfernsehgeräte ist sehr gering: In Afrika insgesamt lag der Preis pro Gerät bei durchschnittlich 64 EUR, und in den drei oben genannten Ländern bei durchschnittlich 28 EUR. Dagegen liegt der Wert der in Europa gehandelten Fernsehgeräte bei durchschnittlich 350 EUR. Das berichtet die Europäische Umwelt-Agentur (European Environment Agency, EEA) unter Berufung auf die europäische Handelsstatistik auf ihrer Homepage.
Der niedrige Gerätepreis für nach Afrika exportierte Fernsehgeräte deutet darauf hin, dass es sich bei vielen Exporten um Gebrauchtprodukte handelt, die überwiegend als Elektronikschrott einzustufen sind. Da sich diese Zahlen nur auf Fernsehgeräte beziehen, dürfte das gesamte Exportvolumen an gebrauchten Computern, Mobiltelefonen, CD-Spielern usw. in diese Regionen noch weitaus größer sein. Daraus ist nach Ansicht der EEA zu schließen, dass das EU-Verbot für den Handel mit gefährlichen Abfällen mit Nicht-OECD-Ländern andauernd missachtet wird.
In der Zeit von 1995 bis 2007 hat der Export nicht gefährlicher Abfälle wie Papier-, Plastik-, und Metallabfälle aus der EU ebenfalls stark zugenommen. Die Abfälle gingen überwiegend nach Asien, insbesondere nach China. Das nach Asien exportierte Altpapiervolumen hat sich verzehnfacht. Bei Plastik stieg das Volumen um den Faktor 11 und bei Metallen um den Faktor 5. Das Volumen der verbrachten Abfälle stieg auch innerhalb der EU, wenn auch auf deutlich niedrigerem Niveau.
Im Jahr 2007 wurde genauso viel Altpapier nach Asien verbracht wie innerhalb der EU. Die innerhalb der EU verbrachte Metallmenge war größer als die nach Asien verbrachte Menge. Die EU exportierte jedoch mehr Plastikabfall nach Asien als innerhalb der EU. Altmetalle, Altpapier, Plastikabfälle und andere Abfallstoffe aus Europa verleihen der aufstrebenden asiatischen Wirtschaft somit einen Wachstumsschub, der mit Primärrohstoffen nicht möglich wäre.
Auch die EU-Rechtsvorschriften (z. B. die Verpackungsrichtlinie), die die Mitgliedstaaten zur Erreichung bestimmter Recyclingraten verpflichten, schaffen indirekte Anreize zur Abfallverbringung zwecks Recycling. Durch die EU-Vorgaben für die Recyclingraten ist das Aufkommen an recyclingfähigen Abfallstoffen auf dem Markt erheblich gestiegen. Beispielsweise stieg das Aufkommen recycelter Verpackungsabfälle (Papier und Karton) zwischen 1997 und 2005 von 24 auf 30 Mio. Tonnen. Das Aufkommen recycelter Kunststoffverpackungen schwoll im gleichen Zeitraum von rund 10 auf 14 Mio. Tonnen an.
Ist dies gut für die Umwelt? Die Verwendung von recycelten Abfallstoffen anstelle von Primärrohstoffen - so die EEA - ist im Prinzip gut für die Umwelt. Für die Herstellung von Aluminium aus recyceltem Aluminium werden beispielsweise nur etwa 5 Prozent der Energie benötigt, die für die Verarbeitung der Primärrohstoffe notwendig ist.
Da jedoch kaum jemand sicher weiß, was mit dem Abfall geschieht, nachdem er einen europäischen Hafen verlassen hat, kann auch niemand beurteilen, ob die Verbringung in diesem Fall und Abfallverbringungen allgemein gut oder schlecht für die Umwelt sind.
Weiterre Informationen und Literaturhinweise unter eea.europa.eu.
Quelle: European Environment Agency
| Zurück |
|


