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Wilna - Abfallmanagement und Wasserwirtschaft stehen in Litauen bei den Investitionen in die Umweltinfrastruktur im Vordergrund. Die bis 2013 dafür vorgesehenen Summen belaufen sich auf insgesamt knapp 740 Millionen Euro, die vorrangig durch die Zuweisungen aus den EU-Fördertöpfen finanziert werden. Darunter zählt der Bau von zwei Müllverbrennungsanlagen zu den größten Einzelvorhaben, die auf der litauischen Projektagenda stehen. Das meldet Germany Trade and Invest in seinem neuesten Newsletter.

Bei der Managementagentur für Umweltprojekte (Aplinkos projektu valdymo agentura; APVA) laufen im Auftrag des litauischen Umweltministeriums sämtliche Fäden für Organisation und Abwicklung der Projektausschreibungen für den Umweltsektor zusammen. Sie hat allein 2009 bereits 14 neue Ausschreibungen veröffentlicht. Dabei geht es zum Beispiel um die Schließung einer kommunalen Deponie auf der Kurischen Nehrung, die Modernisierung der Kläranlage für das Einzugsgebiet der Stadt Sirvintos, den Ausbau des Trinkwasser- und Kanalisationsnetzes im Kreis Elektrenai oder den fünften Teilabschnitt der Modernisierung des Abwasserentsorgungssystems in der Stadt Kretinga.

Abfallmanagement: MVA Wilna mit 191 Millionen Euro Investitionsvolumen größtes Projekt

Mittlerweile hat die APVA in knapp 260 Fällen Aufträge mit einem Bezug zum Abfall- und Wassermanagement vergeben können. Grundlage sind die EU-Fördermittel - anfänglich im Rahmen des ISPA-Programms, später dann im Rahmen von Kohäsions- und Strukturfonds. Da die auszuführenden Arbeiten in der Regel relativ umfassend ausfallen, stellen Laufzeiten von weniger als zwölf Monaten unter den APVA-Projekten die Ausnahme dar. Als normal gelten Fristsetzungen zwischen 30 und 40 Monaten. In Einzelfällen - wie bei der Ausschreibung von Leistungen zur Überwachung mehrerer Bauvorhaben - können die Fristen durchaus bis zu 65 Monate erreichen.

Zu den größten Vorhaben, die von der APVA in den letzten Jahren auf den Weg gebracht worden sind, zählen ein Los für die Erweiterung des Trinkwasser- und Kanalisationsnetzes in Tarande, einem Stadtteil von Wilna, für gut 12 Millionen Euro. Leicht höher fielen die Aufwendungen für den Bau einer Schlammentwässerungsanlage in Klaipeda mit knapp 14 Millionen Euro aus, während für die Errichtung einer Verbrennungsanlage für Sondermüll, von dem durchschnittlich 120 t pro Jahr im Land anfallen, rund 25 Millionen Euro (jeweils ohne Mehrwertsteuer) bereitgestellt worden sind.

Die Marke von 25 Millionen Euro für ein Einzelprojekt dürfte bei der APVA im aktuellen Bewilligungszeitraum bis 2013 mindestens zweimal deutlich geknackt werden. Zu den Megaprojekten schlechthin im Rahmen der Kohäsionsfonds-Fördermittel zählen zwei Müllverbrennungswerke in den größten Städten des Landes, Wilna und Kaunas. Im Anhang zum Operationellen Programm Kohäsionsförderung werden diese beiden Vorhaben mit Kosten in Höhe von 191 Millionen Euro (Wilna) und 172 Millionen Euro (Kaunas) veranschlagt.

587 Deponien wurden stillgelegt, 249 sollen folgen

Neben diesen Aufwendungen sind EU-seitig für den Zeitraum 2007 bis 2013 rund 330 Millionen Euro für als prioritär identifizierte Aufgaben bewilligt worden. So soll die Entsorgung von sonstigem Industriemüll und von Haushaltsabfällen in den nächsten Jahren umstrukturiert werden. Deponien, die unter ökologischen Gesichtspunkten als unzulänglich gelten, sollen saniert beziehungsweise geschlossen werden. Nachdem zwischen 2000 und 2006 bereits 587 für die Müllendlagerung genutzte Flächen stillgelegt worden waren, werden bis 2013 weitere 249 Deponien folgen.

Darüber hinaus stehen Technologien zur Behandlung von biologisch abbaubaren Abfällen im Fokus. Dass das Land hier im Vergleich zu anderen EU-Staaten noch einigen Nachholbedarf hat, machen Erhebungen von Eurostat zur Art der Behandlung kommunaler Abfälle deutlich. Danach wurden mit Stand 2007 in der EU-27 im Durchschnitt 17 Prozent des Abfallaufkommens kompostiert, in Litauen belief sich diese Quote auf nur 2 Prozent. Hier dominierte mit 96 Prozent die Deponierung.

Um den Abstand zu den Vorreitern in der EU zu verringern - zum Beispiel kompostierte Österreich 2007 laut Eurostat 38 Prozent des kommunalen Mülls -, wird Litauen die Fördermittel verstärkt in die Schaffung entsprechender Kapazitäten leiten. Bis 2013 soll erreicht werden, dass die Menge der jährlich auf herkömmlichen Deponien landenden biologisch abbaubaren Abfälle im Vergleich zum Bezugsjahr 2000 auf 287.000 t halbiert wird. Zusammen mit weiteren Maßnahmen könnte somit die Müllverwertungsquote mittelfristig auf bis zu 50 Prozent angehoben werden.

Wassermanagement: Höheres Klärschlammaufkommen macht Modernisierung der Klärwerke erforderlich

Im Bereich Wassermanagement soll mittel- bis langfristig ein Großteil der rund 1 Millionen Einwohner, die über Schachtbrunnen oder selbst eingebrachte Brunnenbohrungen ihr Trinkwasser beziehen, an ein zentralisiertes Versorgungssystem angeschlossen werden. Offiziellen Erhebungen zufolge belief sich der Anteil der litauischen Bevölkerung, die 2006 einen Zugang zu der zentralen Trinkwasserversorgung und Abwasserentsorgung hatten, auf nur 62 Prozent. Dabei lag die Anschlussdichte für Stadtbewohner deutlich über dem Durchschnittswert; Nachholbedarf besteht vor allem in ländlichen Gebieten.

Im Zuge der geplanten Investitionen in Höhe von knapp 165 Millionen Euro im Bereich Trinkwasserversorgung und rund 245 Millionen Euro im Bereich Abwasserentsorgung soll bis 2013 der Versorgungsgrad in den Städten um drei Prozentpunkte, in den ländlichen Gebieten um 20 Prozentpunkte erhöht werden. Bis 2015 will Litauen erreichen, dass rund 70 Prozent aller Einwohner in ihren Wohnungen an die zentrale Trinkwasserversorgung und Kanalisation angeschlossen sind. Während zwischen 2000 und 2006 mit EU-Geldern landesweit bereits 107 Siedlungsgebiete entsprechend saniert wurden, stehen für den Zeitraum 2007 bis 2015 Aktivitäten in weiteren 113 Kommunen an.

Zudem müssen zahlreiche Klärwerke von Grund auf modernisiert werden. Vor allem in Anlagen im Einzugsgebiet von kleineren Städten und Gemeinden fällt die Abwasseraufbereitung häufig unzulänglich aus. Aus dem Jahr 2005 stammenden Erhebungen zufolge entsprachen damals lediglich 70 Prozent der im Land aufbereiteten Abwässer den EU-Umweltkriterien. Bis 2015 soll diese Quote auf 97 Prozent erhöht werden.

Die Optimierung der Abwasseraufbereitung wird zu einem höheren Aufkommen an Klärschlamm führen. Deshalb sollen, wo notwendig, parallel zur Modernisierung der Klärwerk-Systeme zur Schlammbehandlung und -verwertung eingeführt werden. Gedacht ist unter anderem daran, den Schlamm so aufzubereiten, dass er als Brennstoff zur Energiegewinnung eingesetzt werden kann. Bei Umsetzung aller hierfür vorgesehenen Maßnahmen könnten 2013 mindestens 80 Prozent der landesweit anfallenden Mengen an Klärschlamm aufbereitet werden.

Kontaktadresse unter gtai.de.

Autor: Jan Triebel

Quelle: Germany Trade and Invest (gtai)

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Artikel vom: 22.05.2009 10:36
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