Nach Ansicht der Umweltorganisation Greenpeace können solarthermische Kraftwerke in Wüstenregionen rund ein Viertel des weltweiten Strombedarfs umweltfreundlich herstellen. Einzig der politische Wille fehle – und das Geld.
Berlin/Hamburg – Dank lang anhaltender und berechenbarer Sonneneinstrahlung scheinen Orte wie die Sahara prädestiniert für die Solarstromgewinnung. Aber Installation und Betrieb von Sonnenkraftwerken und der Weitertransport in dicht besiedelte Regionen mit hohem Stromverbrauch sind technisch aufwändig und teuer. Die Greenpeace-Studie „Globaler Ausblick auf die Entwicklung solarthermischer Kraftwerke 2009“ kommt zu dem Schluss, dass eine solche Energielösung dennoch sowohl technisch als auch ökonomisch machbar sei.
So errechnen die Autoren, dass bis 2050 Solarkraftwerke in Wüstenregionen mit einer Gesamtkapazität von 1.500 Gigawatt gebaut werden könnten. Diese würden jährlich 7.800 Terawattstunden umweltfreundlichen Strom erzeugen. Das entspricht etwa einem Viertel des weltweiten Strombedarfs. Vor allem Kohlekraftwerke könnten nach Ansicht von Greenpeace ersetzt werden – eine jährliche Einsparung von 4,7 Milliarden Kohlendioxid.
Um die Infrastruktur zur Weiterleitung der gewonnenen Elektrizität zu finanzieren, seien bis 2050 Gesamtinvestitionen in einer Gesamthöhe von rund 174 Milliarden Euro notwendig. „Nur zwei Prozent der Sahara reichen aus, um die ganze Welt mit Strom aus Solarkraftwerken zu versorgen – sauber, sicher und ohne Folgekosten“, betont Andree Böhling, Energieexperte von Greenpeace, und fordert: „Die Bundesregierung muss jetzt den Stromimport aus den Wüsten gesetzlich fördern. Gemeinschaftlich mit anderen Regierungen muss sie Konzepte für den Bau von Solarkraftwerken in Wüsten und erforderliche Stromverbundnetze entwickeln.”
Verengung des Blickwinkels
Der Rat für Nachhaltige Entwicklung begrüßt den Ausbau und die weitere Erforschung der Solarenergie, warnt jedoch vor einer Verengung des Blickwinkels: „Die Bedeutung der Solarenergie im globalen Energiemix muss zweifellos zunehmen“, sagt Volker Hauff, der Vorsitzende des Nachhaltigkeitsrates. „Doch es wäre es fahrlässig, die deutsche Energiepolitik an einer Hoffnung auf große Lieferungen von Solarenergie aus sonnenreichen afrikanischen Staaten auszurichten. Solarstrom aus der Sahara wird vor allem regional gebraucht. Europas Energiemix muss aus unterschiedlichen Quellen erneuerbarer Energie hergestellt werden.“ Zudem müssten Wege gefunden werden, den CO2-Ausstoß der mittelfristig weltweit noch benötigten Kohlekraftwerke zu unterbinden, zunächst durch die Entwicklung der sogenannten Carbon-Capture-and-Storage-Technologie (CCS) und später durch das Recycling von CO2.
Auch Afrika-Experten warnen davor, die Lösung der weltweiten Energieprobleme auf eine Region zu projektieren. „Kein nordafrikanischer Staat hat Lust, Europas Energieprobleme zu lösen“, sagte Thomas Hüsken von der Universität Bayreuth gegenüber der Tageszeitung taz. So lange in der Region weiterhin viel Öl und Gas gefördert werde, sei es unwahrscheinlich, dass sich die Länder auf Experimente mit unbekannter Technologie einlassen.
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