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Neue trend:research-Studie: Anstrengungen im Zubau von Erzeugungsanlagen sind bereits bis 2013 notwendig.

Bremen – Die Zukunft der Energieerzeugung steht im Wahljahr 2009 wieder im Fokus von Politik, Öffentlichkeit und Wirtschaft. Einem hohen Bedarf an neuen Erzeugungsanlagen auf der einen Seite stehen Projektabsagen aufgrund hoher Investitionskosten in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit sowie häufig (lokal-)politischer Widerstand entgegen. Dies könnte zu einer „Erzeugungslücke“ führen, was die Diskussion um den Fortbestand der Kernkraftwerke neu antreibt. Gleichzeitig hat sich die Entwicklung der Erneuerbaren Energien weiter verstetigt; diese werden eine zunehmende Bedeutung im deutschen Energiemix erlangen.

trend:research analysiert in einer aktuellen Studie auf Grundlage eines Rankings aktueller Kraftwerksbauprojekte und umfangreicher Befragungsergebnisse die Struktur des zukünftigen Energiemix in Deutschland. Berücksichtigt werden in den verschiedenen Szenarien unter anderem die Entwicklung im Zubau der Erneuerbaren Energien, Prognosen des Strombedarfes sowie der Einfluss der Finanz- und Wirtschaftskrise.

Die Entwicklung der zukünftigen Erzeugungsstruktur im Spannungsfeld von EU-Vorgaben zur weiteren Marktliberalisierung, Versorgungssicherheit und Umweltschutz wirft viele Fragen auf, die für zahlreiche Akteure das Umfeld ihrer Geschäftsentwicklung, Investitionen, Planungen und Vorhaben bestimmen. Die Studie „Stromerzeugung Deutschland 2008 - 2030 – Kapazitäten, Szenarien, Strategien und Handlungsoptionen im deutschen Kraftwerksmarkt (3. Auflage)“ liefert auf über 1.300 Seiten neben theoretischen Grundlagen einen Überblick über die Vielzahl von Einflussfaktoren des Kraftwerksmarktes in Deutschland mit einer Analyse zu Kennzahlen, Markt und Wettbewerb. Insbesondere werden die Auswirkungen der aktuellen Wirtschaftskrise und des Emissionshandels auf den deutschen Stromerzeugungsmarkt dargestellt. In nachvollziehbaren Szenarien werden (Anlagen-)Preise, Kapazitäten und Marktbewegungen prognostiziert.

Darüber hinaus werden Anforderungen etablierter und neuer Marktteilnehmer aufgezeigt und Erfahrungen sowie repräsentativen Bewertungen von 92 Experten (u. a. Energieversorger, Industriekraftwerksbetreiber, Anlagenbauer, Berater, Verbände, Behörden, Forschungseinrichtungen) zu Markthemmnissen und Erfolgsfaktoren vorgestellt. Die Potenzialstudie liefert den Marktteilnehmern und politischen Entscheidungsträgern fundierte Analysen, um die zukünftige Wettbewerbsstruktur und Marktentwicklung abzuschätzen und strategische Handlungsoptionen aufzuzeigen.

Kraftwerkspark in Deutschland überaltert

Der deutsche Kraftwerkspark kann als mittlerweile deutlich zu „alt“ bezeichnet werden. Etwa 40 Prozent der Großkraftwerke in Deutschland sind älter als 30 Jahre. 7 Prozent aller Großkraftwerke sind sogar älter als 40 Jahre. Durch Sanierungen und Modernisierungen kann eine Stilllegung um nochmals zehn bis 15 Jahre, zum Teil sogar darüber hinaus, verzögert und die Anlagenlebensdauer verlängert werden.

Stilllegungen sind nicht zwingend technisch notwendig, sondern auch durch energiepolitische Motive, zum Beispiel im Fall von Kernkraftwerken durch den Kernenergiekonsens, verkürzt worden. Zwischen 1980 und 1990 wurden über 60 Prozent aller Kernkraftwerke in Betrieb genommen. Knapp 60 Prozent der Steinkohlekraftwerke sind älter als 30 Jahre. Insgesamt wurden jedoch in Deutschland zwischen 1960 und 1980 knapp 50 Prozent des heutigen Kraftwerksparks in Betrieb genommen und kommen somit nun an das Ende ihrer ursprünglich geplanten Nutzungsdauer.

Aktuell sind für über 40 Großkraftwerke Planungs- und Genehmigungsprozesse eingeleitet. Nur wenige Anlagen sind bereits im Bau, einzelne Projekte wurden wieder abgesagt. Kritisch zu sehen sind die in den letzten Jahren stark gestiegenen Investitionskosten für Kraftwerksneubauten, die derzeitigen Auswirkungen der Wirtschafts- und Finanzkrise sowie die unklare Ausgestaltung des Emissionshandels. Ebenso stellen Akzeptanzprobleme in der Bevölkerung beim Bau fossiler Großkraftwerke ein Risiko für die Energieversorger dar.

Auswirkungen der Wirtschafts- und Finanzkrise auf den Erzeugungsmarkt

Im Rahmen der Studie werden unter anderem die Auswirkungen der internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise auf den Erzeugungsmarkt dargestellt. Es wird neben der bisherigen Entwicklung und dem Status quo auf Auswirkungen der Krise auf die Projektfinanzierung, die Investitionsbereitschaft von Erzeugungsunternehmen, die Rohstoffmärkte sowie auf Fertigungskapazitäten und Marktpreise im Anlagenbau eingegangen. Zudem ergänzen jeweils die Ergebnisse der durchgeführten Experteninterviews mit Energieversorgern und Anlagenbauern die Analyse.

Die Befragungsergebnisse untermauern, dass die Finanz- und Wirtschaftskrise auch bei den deutschen Energieerzeugern angekommen ist: Zwei Drittel der befragten Branchenvertreter gaben an, dass die Krise momentan Auswirkungen auf das eigene Unternehmen habe. Die Krise macht sich für gut 40 Prozent der Interviewten durch Absatzeinbußen bemerkbar, ein Sinken der Stromnachfrage stellte ein knappes Drittel der Energieerzeuger fest. Gut 17 Prozent nennen Firmenschließungen aufgrund der Wirtschaftskrise als ein Problem für die Erzeuger, da wichtige Kunden wegfallen würden.

Die Auswertung des Kraftwerksrankings erfolgte auf Basis der Ergebnisse einer Clusterung in vier Gruppen, wobei die Zuordnung auf Grundlage der erreichten Punktzahl erfolgte. In der Kategorie A wurden Projekte zusammengefasst, in denen sich das Kraftwerk bereits im Bau befindet bzw. der Baubeginn unmittelbar bevorsteht (>70 % der Punkte). Bei Projekten der Kategorie B bestehen konkrete Planungen zum Baubeginn und die Realisierung ist wahrscheinlich (50-69 % der Punkte). Bei Kraftwerksbauprojekten der Kategorie C und D ist die Projektrealisierung ungewiss (30-49 % Punkte) bzw. ist das Projekt eingestellt und eine Realisierung somit unwahrscheinlich (< 30 % Punkte).

Die Ergebnisse des Rankings zeigen, dass der Neubau von ca. 18.300 Megawatt (MW) ungewiss beziehungsweise bei 12.700 MW unwahrscheinlich ist, während aktuell rund 15.700 MW in der Realisierungsphase sind beziehungsweise kurz vor Baubeginn stehen. Auch ist zu erkennen, dass bei den (vorläufig) eingestellten Projekten die Projekte von ausländischen Unternehmen und Regionalversorgern überwiegen. In den weiteren Kategorien hingegen stellt sich die Situation so dar, dass die in Deutschland dominierenden Energieerzeuger gegenüber kleineren bzw. neuen Marktteilnehmern etwa die Hälfte der jeweiligen Projekte halten. Damit ist davon auszugehen, dass sich künftig die Marktstruktur im Erzeugungsmarkt etwas diversifiziert, auch wenn ein wesentlicher Teil weiterhin von den etablierten, großen Energieerzeugern bestimmt wird.

Vergleich von Stromangebot und -nachfrage in verschiedenen Szenarien

Die Entwicklung des Kraftwerksparks ist mit einer Vielzahl von Prämissen und damit Varianten behaftet. Zur Darstellung der wesentlichen möglichen Ausprägungen des Marktes wurden zwei Entwicklungen, die auf politischen Vorgaben beruhen („Kernenergie: Verlängerung Laufzeiten oder Umsetzung wie geplant“ sowie „Umfang des Zubaus Erneuerbarer Energien“) im Auftreten kombiniert. Weiterhin wurde auf der Basis des Neubaurankings der Umsetzungsgrad von geplanten Neubauprojekten fossiler Großkraftwerke variiert (hohe, mittlere, geringe Umsetzungswahrscheinlichkeit entsprechend der Kategorien A, B und C des Rankings) und in den fünf Szenarien fixiert.

Die prognostizierte Stromerzeugung innerhalb der Szenarien wird der Nachfrage an Strom in Deutschland in dem wahrscheinlichsten Strombedarfsszenario (Referenzszenario) gegenübergestellt. In diesem Szenario wird von einer lediglich temporären Beeinträchtigung durch die Wirtschafts- und Finanzkrise ausgegangen, die nur in den Jahren 2009 und 2010 zu Umsatzeinbußen bei industriellen Betrieben führt. Energieeffizienzmaßnahmen werden in einem mittleren Umfang realisiert, Ziele und Maßnahmen des Energieeffizienzaktionsplans erreicht.

Für das Szenario 1 mit einer kontinuierlich hohen Realisierungsrate von fossilen Kraftwerken bei gleichzeitig konservativem Zubau Erneuerbarer Energien lässt sich eine kontinuierliche Sicherung der Stromproduktion erreichen. Gleiches lässt sich für das Szenario 2 mit einem Vorrang Erneuerbarer Energien (starker Zubau) und gemäßigtem Zubau fossil befeuerter Kraftwerke feststellen. Das Saldo bewegt sich in diesem Fall um den Nullpunkt.

Zu einer deutlichen „Lücke“ an Erzeugungskapazitäten kommt es im „worst-case“-Szenario 3, in dem neben einer Umsetzung des Kernenergiekonsens nur ein schwacher Zubau an Stromerzeugungsanlagen durch alleinige Realisierung der Großkraftwerksprojekte der Kategorie A bei gleichzeitiger konservativer Entwicklung der Erneuerbaren Energien angenommen wird. Hier kommt es beginnend mit 2013 zu einem Defizit an Erzeugungskapazität, das bis circa 2020 kontinuierlich auf rund 100 Terawattstunden (TWH) anwächst und sich in der Folge auf diesem Niveau stabilisiert.

Überschüsse in der Stromproduktion lassen sich für die Szenarien 4 und 5 feststellen, in denen eine Laufzeitverlängerung der bestehenden Kernkraftwerke auf 50 Jahre angenommen wird. Im Szenario 5 (CO2-arme Stromerzeugung) wird etwa die gesicherte Stromproduktion zum einen durch den starken Zubau Erneuerbarer Energien und zum anderen die Absicherung dieser Kapazitäten durch entsprechende Grundlastkraftwerke gesichert.

Die im Vergleich um bis zu 200 TWh variierenden Szenarien zeigen die starke Abhängigkeit der Erzeugungskapazität von den politischen Richtungsentscheidungen über die Beibehaltung des Kernenergieausstiegs und den weiteren Ausbau der Erneuerbaren Energien. Bei einer kontinuierlichen Realisierung von fossilen Großkraftwerken aus den Ranking-Kategorien A-C (etwa 40 GW) lässt sich bei gleichzeitigem konservativem Zubau der Erneuerbaren Energien trotz Beibehaltung des Kernenergieausstiegs eine kontinuierliche Sicherung der Stromproduktion erreichen. Eine Versorgungslücke lässt sich ebenfalls mit einer mittleren Umsetzung von Großkraftwerksprojekten (Ranking-Kategorien A-B) und einem starken Zubau von Erneuerbaren Energien vermeiden. Dagegen sind deutliche Überschüsse in der Stromproduktion bei Laufzeitverlängerungen der Kernkraftwerke auf 50 Jahre schon bei mittlerer Realisierungsrate an Großkraftwerken zwischen 2020 und 2030 möglich.

Vor dem Hintergrund eines drohenden Versorgungsengpasses rechnen die Marktteilnehmer selbst mit Bewegung in der deutschen Energiepolitik. Die im Rahmen der Studie interviewten Kraftwerksbetreiber und -anlagenbauer sind mehrheitlich nicht der Ansicht, dass der Ausstieg aus der Kernenergie nach der aktuellen Rechtslage vollzogen wird.

Die rund 1.400 Seiten umfassende Studie ist ab sofort verfügbar und kann für den Preis von 8.500 Euro bei trend:research bezogen werden:

trend:research GmbH
Institut für Trend- und Marktforschung
Parkstraße 123
28209 Bremen

Quelle: trend:research

Artikel vom: 25.06.2009 19:19
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