Tokio - Der Umweltmarkt soll in Japan in den nächsten Jahren zu einem der wichtigsten Zweige der Wirtschaft werden. Impulse kommen von den Maßnahmen zum Klimaschutz und zum Aufbau einer "Kreislaufgesellschaft". Zwar ist die Nachfrage nach umwelttechnischen Ausrüstungen zuletzt geschrumpft, wird aber auf mittlere Sicht voraussichtlich wieder anziehen. Dabei gehen die Ausgaben der öffentlichen Hand zurück, wohingegen die Investitionen des Privatsektors zulegen. Ausländische Unternehmen können an den Marktmöglichkeiten teilhaben.
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| Foto: Pixelio / Bady (markus) |
Allerdings verschonen die internationale Wirtschafts- und Finanzkrise und leere öffentliche Kassen den japanischen Umweltsektor nicht. Wie aus den jüngsten Statistiken der Japan Society of Industrial Machinery Manufacturers (JSIM) hervorgeht, wurden im Kalenderjahr 2008 bei den knapp 100 Verbandsmitgliedern umwelttechnische Ausrüstungen im Wert von nur noch rund 700 Mrd. Yen geordert - im Vergleich zu 2007 ein Minus von 10,3 Prozent.
Auftragseingang bei umwelttechnischen Ausrüstungen: rückläufig
Auf den öffentlichen Sektor und hier besonders auf die lokalen Gebietskörperschaften entfielen im Kalenderjahr 2008 knapp drei Viertel der Bestellungen für Umwelttechnik.in Höhe von 522,7 Mrd. Yen. Aus dem verarbeitenden Gewerbe gingen kamen die meisten Aufträge aus der Maschinenbaubranche (34 Mrd. Yen). Ausrüstungen zur Behandlung von Industrieabfällen stellten mit 15,5 Mrd. Yen fast die Hälfte des gesamten Auftragsvolumens.
Der Auftragseingang bei umwelttechnischen Ausrüstungen für Haushaltsabfälle lag im Jahr 2007 bei 319.664 Mio. Yen, verringerte sich im darauffolgenden Jahr aber um über 6 Prozent auf knapp 300 Mio. Yen. Bei Industrieabfällen sanken die Aufträge binnen Jahresfrist um 68 Prozent auf 22.844 Mio. Yen. Andere Abfallarten erlebten im gleichen Zeitraum einen Auftragszuwachs um über 17 Prozent auf 29.858 Mio. Yen.
Im nicht-produzierenden Sektor ragten mit 54,7 Mrd. Yen vor allem die Elektrizitätsversorger heraus, die ihre Bestellungen gegenüber 2007 fast verdoppelten. Geordert wurden vor allem Ausrüstungen zur Entschwefelung und zur Denitrifikation, die dem Ersatz veralteter Anlagen dienten. Im gesamten Wasser- und Abwassersektor schrumpften die Orders hingegen von 2007 auf 2008 um insgesamt rund 8 Prozent.
Bei der Nachfragestruktur zeichnen sich auch eher erschwerende Veränderungen ab. Aufgrund einer großen Verwaltungsreform ist zwischen 1999 und 2009 die Zahl der Städte und Gemeinden um fast die Hälfte verringert worden. Dies schränkt vor allem den Bedarf der nachgeordneten Gebietskörperschaften nach umwelttechnischen Ausrüstungen mittel- und langfristig ein, heißt es in einem Bericht des Industrieministeriums METI.
Auch die Zentralregierung vergibt angesichts knapper Kassen weniger Aufträge: So sind zum Beispiel im Budget für das Fiskaljahr 2009 für Anlagen und Ausrüstungen zur Abfallbeseitigung nur noch 80,6 Mrd. Yen vorgesehen, 5,2 Prozent weniger als im Vorjahreshaushalt.
Geschäftliche Aussichten: grundsätzlich gut
Trotz der Rückgänge sind die geschäftlichen Aussichten auf Japans Umwelttechnikmarkt jedoch grundsätzlich gut. Hierfür sorgen die Maßnahmen zum Klimaschutz und zum Aufbau einer "Kreislaufgesellschaft", die beispielsweise eine Verbesserung der Abfallbeseitigung, die Behandlung von Schlämmen sowie die intensivierte Nutzung von Biomasse vorsehen. Zudem sind in der schon umfangreichen japanischen Umweltgesetzgebung tendenziell weitere Verschärfungen zu erwarten. Dabei gelten die EU-Regelungen als Maßstab. Auch hat die japanische Regierung neue Ziele für die Verringerung der Treibhausemissionen präsentiert. Danach soll der CO2-Ausstoß bis 2020 gegenüber dem Basisjahr 2005 um 15 Prozent reduziert werden.
Insbesondere eine erhöhte Nachfrage der Privatwirtschaft nach umwelttechnischen Ausrüstungen könne den sich wenig verändernden Bedarf des öffentlichen Sektors ausgleichen, meint das METI. Ausländische Unternehmen können direkt oder indirekt an den Marktmöglichkeiten partizipieren.
So kaufen nicht selten japanische Unternehmen Lizenzen für Technologien und Ausrüstungen von ausländischen Anbietern. JSIM-Statistiken zufolge wurden im Fiskaljahr 2007 allein mit Deutschland elf Technologieabkommen geschlossen, sieben davon im Bereich der Wasser- und Abwasserbehandlung.
Partnerschaften zwischen einheimischen und ausländischen Unternehmen sind ebenfalls geeignet. Jedoch ist gerade für kleinere Anbieter zumindest in der Anfangsphase des Engagements ein starker einheimischer Partner für den Zutritt zum Umwelttechnikmarkt essenziell. Besonders die Platzierung von Aufträgen im öffentlichen Sektor ist sehr schwer.
Er ist zwar nicht verschlossen, doch sind angesichts der Dominanz heimischer Anbieter gute Kontakte und rechtzeitige Informationen über neue Projekte, die Ausschreibungsbedingungen etc. eine Grundvoraussetzung. Diese Anforderungen sind in der Regel von außen nicht zu erfüllen. Quelle: Detlef Rehn / Germany Trade and Invest (gtai)
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Artikel vom: 07.07.2009 11:04
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