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2009 war bislang ein spannendes Jahr für die Geothermiebranche und spannend dürfte es weitergehen. Auf dem Geothermiekongress vom 17. bis 19. November in Bochum erwarten den Fachbesucher wieder interessante Beiträge und Diskussionen.

Berlin – Langsam zeigt sich, dass mit der Entwicklung geothermischer Niedertemperaturkraftwerke eine neue, erfolgreiche Technologielinie in den deutschen Kraftwerkspark eingebracht wurde. In Unterhaching ging Deutschlands dritte Stromerzeugungsanlage ans Netz, zwei weitere, kleinere, in Bruchsal und Simbach am Inn folgen. Fünf Anlagen sollen es bis Ende 2009 sein, jede auf ihre Weise innovativ und wegweisend.

In Simbach versorgen seit Anfang dieses Jahrzehnts zwei Tiefbohrungen die Fernwärmenetze der bayerischen Kommune und der auf der anderen Seite des Inns gelegenen oberösterreichischen Stadt Braunau. Die Temperatur des Thermalwassers beträgt 80 Grad Celsius, eigentlich zu niedrig um eine Stromproduktion in Gang zu bringen. Genau das geschieht aber derzeit in einem international angelegten Forschungs- und Entwicklungsprojekt. In Südbayern und am Oberrhein befinden sich weitere Anlagen im Bau. Auch 2010 ist mit Zuwachs zu rechnen.

Die Nachfrage nach langfristigeren Lösungen jenseits von Gas und Öl ist insbesondere in den süddeutschen Thermalwasserregionen enorm. In Erding bei München musste ein zweites Heizwerk errichtet werden, in Poing, Unterföhring und als Gemeinschaftsvorhaben der Gemeinden Aschheim, Kirchheim, Feldkirchen entstehen gleich drei neue Fernwärmeversorgungen.

Die Skepsis spielt eine hemmende Rolle

Allerdings bereitet das gegenwärtige weltwirtschaftliche Umfeld vielen Akteuren Probleme bei der Finanzierung von Projekten der Tiefen Geothermie. Dagegen müssen kreative und intelligente Lösungen gesetzt werden. Die Skepsis vor geologischen Risiken spielt noch immer eine hemmende Rolle, wenngleich die technischen und finanziellen Instrumente zur Absicherung entscheidend weiterentwickelt worden sind.

Die seit Anfang 2009 geltenden neuen Einspeisevergütungen für geothermischen Strom haben der Branche einen neuen Schub verpasst. Abzuwarten ist, welche Konsequenzen sich für die Entwicklung petrothermaler Kraftwerkseinheiten ergeben. Die Stadtwerke von Emden und Munster-Bispingen, beide in Niedersachsen, haben erste Studien in Auftrag gegeben. Das Geozentrum in Hannover erhält eine petrothermische Wärmeversorgung aus einem Ein-Bohrloch-System.

Einen breiten Raum nahm die Vereinbarkeit der Nutzung geothermischer Ressourcen mit der großflächigen Einlagerung von CO2 aus fossilen Kraftwerken in den Untergrund ein. Hier wurden Nutzungskonflikte deutlich, die zu wesentlichen Behinderungen beim Ausbau der Tiefen Geothermie führen könnten. Die Gefahr, dass in diesem Zusammenhang einer vorübergehenden Nutzung fossiler Energieträgern Vorrang vor der langfristigen, erneuerbaren Ressource Geothermie eingeräumt wird, ist noch nicht vom Tisch.

Neue Herausforderungen und Impulse

Wachsende, zweistellige Marktanteile oberflächennaher geothermischer Systeme kennzeichnen den Neubaumarkt. In diesem Bereich braucht niemand mehr fossil zu heizen oder für die Kühlung Energie zu verschwenden. Es gibt genügend Alternativen. Die Erdwärme ist die bedeutendste. Die angebotenen Systeme sind wirtschaftlich, komfortabel und in ihren Varianten fast überall einsetzbar. In absehbarer Zeit könnte die Geothermie die Rolle einnehmen, die heute noch vom Erdgas besetzt wird. Überall in Deutschland sind viele neue Arbeitsplätze entstanden, bei der Herstellung von Wärmepumpen, Sondenrohren und anderen Komponenten, im Vertrieb und bei den Bohrunternehmen.

Unverkennbar ist auch der Trend zum Einsatz finanziell billiger, aber energetisch wenig effizienter Luftwärmepumpen. Es gibt eine anhaltende Diskussion um Grundwasserschutz und geologische Probleme bei oberflächennahen geothermischen Anlagen. Diese ist ernst zu nehmen und fordert fundierte Antworten. Der wachsende Markt lockt Akteure an, die unzureichende Arbeitsergebnisse abliefern und Qualitätsstandards nicht einhalten. Dem kann mit Verbraucheraufklärung entgegen gewirkt werden. Die wirtschaftliche Krise und sinkende Bevölkerungszahlen lassen den Neubaumarkt schrumpfen. Für die Sanierung von Bestandsbauten müssen daher energetisch überzeugende, wirtschaftlich tragbare Konzepte gefunden werden, die es der Branche ermöglichen, verstärkt in diesen entscheidenden Bereich einzusteigen.

International werden die Impulse, die von Deutschland ausgehen, mit wachsendem Interesse wahrgenommen. Für die deutsche Branche, die in vielen Bereichen technologische Spitzenplätze besetzt, ist das eine hoffnungsvolle Ausgangslage. Beträchtliche Erfolge, neue Entwicklungen, große Herausforderungen, in diesem Spannungsfeld bewegt sich die Geothermie derzeit. Dieses Spannungsfeld wird der Kongress 2009 in Bochum abdecken müssen. Weitere Informationen unter: Geothermiekongress

Quelle: Geothermische Vereinigung – Bundesverband Geothermie e. V.

Artikel vom: 04.08.2009 09:05
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