Köln - In Italien stehen in den kommenden Jahren umfangreiche Investitionen in Verbrennung, MBA und Recycling an. Die Ursachen hierfür liegen in überfüllten Deponien und dem Entsorgungsnotstand einiger Provinzen, aber auch in der Reform der Abfallverwaltung. Dies sind die Kernaussagen einer Marktstudie, die das Kölner Beratungsunternehmen ecoprog und der italienische Abfall-Portal-Betreiber Labelab srl jetzt herausgegeben haben.
In dieser Marktstudie erwarten ecoprog GmbH und Labelab srl ein Anwachsen des italienischen Marktes für die Sammlung, Behandlung und Beseitigung von Siedlungsabfall von derzeit 6,3 auf 6,8 Milliarden Euro bis 2015.
Italien gehört bei der Deponierung unbehandelter Abfälle noch immer zu den Spitzenreitern in Europa. In 2007 wurden insgesamt rund 18 Millionen Tonnen Siedlungsabfall auf den offiziell rund 270 Deponien des Landes verbracht. Das ist fast die Hälfte aller Siedlungsabfälle - obwohl dieses Vorgehen seit Mitte 2005 laut EU-Recht verboten ist.
Während einige Provinzen in Norditalien 50 Prozent ihrer Abfälle verwerten und über große Behandlungskapazitäten verfügen, herrscht in manchen Provinzen Süditaliens ein Entsorgungsnotstand. In über 20 der 110 Provinzen des Landes reichen die Deponiereserven nicht einmal mehr für ein Jahr aus. Davon betroffen ist nicht nur die Provinz Neapel, sondern auch Regionen wie Latinum, Kalabrien oder Sizilien.
Die Ursache für diese Missstände sind nicht nur mangelnde Organisation, fehlende Finanzmittel und organisierte Kriminalität. In der Vergangenheit waren die 8.100 italienischen Kommunen für die Abfallentsorgung zuständig. Von denen haben aber knapp 90 Prozent weniger als 10.000 Einwohner. Die Umsetzung technologisch und finanziell anspruchsvoller Projekte ist so kaum möglich.
Seit 2006 sind die so genannten ATOs anstelle der Kommunen für die Abfallwirtschaft zuständig. Diese orientieren sich an den Provinzgrenzen. Statt mehrerer Tausend sollen nur noch 110 bis 180 Entsorgungsträger die italienische Abfallwirtschaft organisieren. Das schafft Masse – und damit auch Finanzierung. Doch der ATO-Prozess stockt vielerorts aufgrund von Kirchturmpolitik und intransparenten Strukturen. In den Regionen Kampanien und Kalabrien wurde die Abfallwirtschaft sogar einem Sonderkommissar zwangsunterstellt, um ein einheitliches Vorgehen zu erreichen.
Entsorgungsnotstand und Verwaltungsreform zeigen dennoch Wirkung. Die Verwertung von Siedlungsabfällen ist seit 2003 um mehr als 30 Prozent gestiegen. Rund 20 zusätzliche Verbrennungsanlagen und MBAs sind geplant oder im Bau. Italien ist einer der attraktivsten Märkte für den Neubau von Abfallinfrastruktur in Europa.
Mit dem Ende der Fragmentierung öffnet sich Italien auch für Entsorger aus dem Ausland. Bislang dominieren kommunale Entsorger und lokal organisierte Fuhrunternehmen das italienische Abfallgeschäft.
Mehr Informationen zur Marktstudie Siedlungsabfall Italien sind erhältlich unter ecoprog.de.
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