Umweltministerin Tanja Gönner hat heute (17. August 2009) in Sigmaringen grünes Licht für die Förderung eines Pilotprojektes auf der Kreismülldeponie Tuningen (Landkreis Schwarzwald-Baar-Kreis) gegeben: Ein neuartiges gesteuertes Pressbohrverfahren für die Sanierung des an mehreren Stellen eingestürzten Sickerwassersammlers wird im Deponieabschnitt Südgraben der Hausmülldeponie erprobt.
"Wir erhoffen uns von dem Pilotprojekt wichtige Erkenntnisse, die auch für zahlreiche andere Deponien nutzbar sind", so Umweltministerin Gönner. Im Erfolgsfalle könnten Leitungssanierungen deutlich kostengünstiger und schneller durchgeführt werden. Denn herkömmlicherweise müssten bei der Sanierung von Sammelleitungen in der seither üblichen Verfahrensweise mehrere Baugruben im abgelagerten Müll erstellt werden. Konkret heiße das, die alten Sickerwasserrohre in Tiefen von 20 bis 45 Metern bei Temperaturen von etwa 40 Grad unter Einwirkung von Deponiegasen auszugraben und durch neue Röhren zu ersetzen. Dies könne durch das neue Verfahren, bei dem Einstürze durch einen gesteuerten Bohrkopf aufbebohrt werden können, vermieden werden. Das aus dem Kanalbau kommende Verfahren werde im Deponiebau erstmals angewandt. 92.000 Euro werden als Landeszuschuss für das mit rund 205.000 Euro Gesamtkosten veranschlagte Projekt bereitgestellt.
In Baden-Württemberg gebe es 69 ehemaliger Hausmülldeponien, davon würden derzeit noch 30 als Mineralstoffdeponien betrieben. Hintergrund ist, dass seit 1. Juni 2005 nur noch vorbehandelte Abfälle auf Deponien gelagert werden dürfen. "Die Zahl der Deponien im Land wird deshalb noch weiter zurückgehen. Nach der Stilllegung einer Deponie schließt sich eine langwierige und kostspielige Nachsorge an. Das kostet die Betreiber hohe Millionen-Beträge", so Gönner. Weshalb großes Interesse besteht, die Aufwendungen in der Nachsorgezeit zu verringern. Dabei sei die Sicherstellung und Aufrechterhalten einer ausreichenden Sickerwasserentsorgung aus Umweltschutzgründen von besonderer Bedeutung.
Das Land fördere Projekte bei den verantwortlichen Stadt- und Landkreisen für die Abfallentsorgung, die insbesondere zur Weiterentwicklung der Abfallwirtschaft beitragen würden. Das jetzt zum Einsatz kommende Pressbohrverfahren für die Sanierung des Sickerwassersammlers sei ein gutes Beispiel dafür, wie aus anderen Anwendungsbereichen kommende Technologien den Deponiebau erleichtern können. Es kann einen wichtigen Beitrag zum Grundwasserschutz im Umfeld langjährig betriebener Deponien leisten. "Davon profitiert unterm Strich die Umwelt und auch der Gebührenzahler", so Umweltministerin Gönner.
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