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Paris - Frankreichs Recyclingwirtschaft erfährt nach einer dynamischen Aufbruchsphase einen stärkeren Rückschlag. Beeinträchtigt wird das Geschäft sowohl durch die sinkende Nachfrage nach Wertstoffen wie auch die ausgeprägte Preisbaisse. Während der Umsatz 2008 noch einen Zuwachs um 3 Prozent auf rund 11 Mrd. Euro verzeichnete, dürfte 2009 ein Verlustjahr werden und eine Erholung erst 2010 einsetzen. Die Branche zeigt eine Tendenz zur Konzentration, sei es durch Übernahmen oder die Verbreiterung des Geschäftsfeldes. Das meldet Germany Trade & Invest.

Wohin steuert die Konjunktur?
© Kroll / Recyclingportal
Die Goldgräberstimmung in der aufstrebenden jungen Recyclingindustrie ist erst einmal verflogen. Im Zangengriff der Wirtschaftskrise hat die Nachfrage nach recycelten Rohstoffen im In- und Ausland spürbar nachgelassen, vor allem seitens der VR China. Parallel verzeichneten die Preise von Metallschrott, Altpapier und Recyclingkunststoff drastische Einbrüche. Laut dem Verband der Recyclingunternehmen Federec sank der Absatz von Wertstoffen im letzten Quartal 2008 um 11 Prozent unter den Vorjahreswert, was den gesamten Jahreszuwachs auf +1,5 Prozent drückte. Die Preisbaisse bewirkte, dass der Umsatz im letzten Quartal im Jahresvergleich sogar um ein Drittel einbrach, was für das Gesamtjahr aber noch in einem Zuwachs um 3 Prozent endete.

Mit den stärksten Einbruch verzeichnete wohl der Zweig Recyclingkunststoffe durch die schwache Konjunktur bei den zwei Hauptabnehmern, dem Automobilbau und der Bauwirtschaft. Zudem drückte der niedrige Erdölpreis die Preise für neue Rohstoffe sogar noch unter das Niveau der recycelten Rohstoffe. Vom Herbst 2008 bis zum Frühjahr 2009 reduzierten sich die Abnehmerpreise für Recyclingkunststoffe je nach Qualität um bis zu 75 Prozent.

Die Verwerter von Metallschrott blieben vom Preisverfall etwas weniger beeinträchtigt, da die Abnahmepreise vielfach durch Terminkontrakte festgelegt sind. Eine kleine Sonderkonjunktur könnte 2009 auch die Abwrackprämie für Autos bescheren. Die Regierung kündigte bereits an, die Prämie auch 2010 fortzusetzen, wenn auch in abgeschwächter Form. Der Zweig Alteisen ist mit rund 1.000 Betrieben und etwas über 10.000 Beschäftigten der größte der Recyclingindustrie.

Nach den letzten verfügbaren Angaben belief sich die Produktion verwertbarer Rohstoffe 2007 auf etwa 39 Mio. t. Die höchsten Zuwachsraten verzeichneten in 2007 und den vorhergehenden Jahren die Produktgruppen Textil, Papier & Karton, Holz & Paletten, Kunststoffe und Nichteisenmetalle. Wiederaufbereitet werden überwiegend Haushaltsabfälle (28 Mio. t), kommunaler Müll (14 Mio. t) und Industrieabfälle (90 Mio. t). Die gesamte wiederaufbereitete Menge von somit 132 Mio. t pro Jahr entspreche laut der Umweltagentur Ademe aber nur 16 Prozent des gesamten Abfallvolumens von 849 Mio. t, das auch 717 Mio. t aus der Landwirtschaft und dem Baugewerbe einschließt.

Ein relativ neues Geschäftsfeld bietet die Verwertung ausgedienter Elektro(nik)-Altgeräte (D3E - déchets équipments électriques et électroniques). Die Brüsseler Richtlinie von 2003, die die Hersteller zur Rücknahme verpflichtet, wurde erst Ende 2006 in französisches Recht umgesetzt. Die Regierung richtete diverse Sammlungs- und Recyclingzentren ein, die produktspezifisch operieren. Dennoch ist Frankreich mit 2,7 kg D3E pro Einwohner gegenüber dem Brüsseler Ziel von 4 kg deutlich im Rückstand. Während 2007 rund 1,6 Mio. t neuer Produkte auf den Markt kamen, wurden nur 172.000 t recycelt. Die Umweltagentur Ademe mutmaßt, dass Frankreich 2008 mit 350.000 t die Brüsseler Vorgabe erfüllen könnte. Den jährlichen D3E-Anfall von Unternehmen und Haushalten schätzte Ademe auf 1,7 Mio. bis 2,0 Mio. t mit Jahreszuwächsen zwischen 3 bis 5 Prozent.

Der Umweltgipfel "Grenelle de l'environnement" setzte 2007 die Zielvorgabe, die Recyclingquote bis 2012 um 35 Prozent und bis 2015 um 45 Prozent zu erhöhen. Trotz Wirtschaftskrise besteht kein Zweifel an der Notwendigkeit der Sammlung von wiederverwertbaren Abfällen - aus ökologischen Gründen wie auch der weltweiten Verknappung der Rohstoffe. 2007 sicherte die Recyclingbranche der französischen Industrie etwa die Hälfte des nichtenergetischen Rohstoffinputs. Die Zweige Papier und Kunststoffe dürften mit dem Auslaufe der Wirtschaftskrise und der Auszehrung der Lagerbestände zukünftig wieder deutlich stärker von den wachsenden Absatzmärkten in Asien profitieren, vor allem aus den großen Schwellenländern Indien und der VR China.

Damit offeriert der Markt längerfristig auch noch ein bedeutendes Potential für neue Investitionen und Geschäftschancen. Laut der Invest in France Agency bestanden Mitte 2008 zehn neue Projekte, wovon vier durch ausländische Unternehmen durchgeführt wurden: Wellmann France Recyclage in Verdun, Freudenberg Politex in Colmar, Amcor (La Seda) in Ste-Marie-la-Blanche und Sorepla (Envipco) in Neufchâteau. Gut im Markt ist die spanische Urbaser-Gruppe, Weltmarktführer bei Methangewinnungsanlagen.

Ein gemeinsames Unternehmen zum Recycling von Autos beschlossen Renault und die Suez-Tochter Sita durch die Übernahme des Familienbetriebs Indra Investissement. Indra ist verbunden mit einem Netz von 230 spezialisierten Demontageunternehmen. Sita war bereits 2001 bei Indra eingestiegen mit einem Pilotprojekt für die Demontage von jährlich 10.000 Fahrzeugen. Dem Pilotprojekt soll jetzt die industrielle Phase folgen mit Investitionen von 100 Mio. Euro in den nächsten fünf Jahren. Recyclingkunststoffe finden sich bereits in den Renault-Modellen Eco 2 und Laguna III, weitere Chancen der Wiederverwertung soll eine neue Arbeitseinheit "Renault Environnement" ergründen.

Im Fachverband Federec sind insgesamt 2.450 Unternehmen mit 31.850 Beschäftigten repräsentiert. Der Umsatz der Branche (Sammlung, Recycling, Verwertung) stieg 2007 um 10 Prozent auf 10,8 Mrd. Euro. 2000 betrug der Umsatz erst 5,7 Mrd. Euro, steil aufwärts ging es vor allem in den Jahren 2004 und 2006 mit Zuwächsen um über 25 Prozent. Nach Produkten entfiel der Großteil des Umsatzes auf Eisen (28 Prozent) und Nichteisenmetalle (43 Prozent) vor Papier & Karton (9 Prozent), einfachen gemischten Industrieabfällen (8 Prozent), Textilien (2 Prozent) sowie Kunstoffen, Paletten und Glas mit jeweils 1 Prozent (Rest 15 Prozent). Die Unternehmen der Papierverwertung besitzen in Revipap eine eigene Vertretung mit 43 Mitgliedsunternehmen, die 95 Prozent der Produktion bestreiten.

Tendenziell hat die französische Recyclingindustrie ihr Spektrum seit 2000 kontinuierlich verbreitert. Der Anteil der Unternehmen mit drei und mehr Zweigen stieg von 10 auf 35 Prozent, parallel sank der Anteil der monostrukturierten Betriebe von 52 auf 28 Prozent. Die Investitionen der Recycling-Industrie beliefen sich 2007 auf 485 Mio. Euro nach 590 Mio. Euro im Vorjahr, die Jahre 2000 bis 2005 lagen mit einem Durchschnittswert von 370 Mio. Euro weit darunter. Eine ganze Reihe von Unternehmen haben sich auf bestimmte Materialien spezialisiert - wie Aliapur (Gummireifen), Valorplast (Kunststoffe und Haushaltsverpackungen), Ecopse (Polystyrol), Recyfilm (Kunststofffolien), Ecofut (Kunststoffbehälter), Motus-véolia (Papier und Dokumente) oder Adivalor (Agrarabfälle).

Der Export von wiederverwertbaren Rohstoffen erhöhte sich 2007 um 11 Prozent auf 8,3 Mio. t (+10,7 Prozent), die größten Abnehmerländer waren Spanien und die VR China. Eine hohe Auslandsnachfrage nach recycelten Rohstoffen verzeichnet insbesondere der Papierzweig. Laut Revipap steigerte Frankreich seinen Altpapierexport 2007 um 6 Prozent auf 2,1 Mio. t. Vor allem die Nachfrage aus der VR China nimmt rapide zu, in den letzten vier Jahren hat sich der Export nach Asien auf 411.000 t verdoppelt, der Großteil ging in die VR China. Dies hat laut Revipap Rückwirkungen im Inland, insofern der Export die Versorgung der eigenen Papierindustrie zunehmend gefährdet. Die Verknappung treibt zudem den Altpapierpreis, der pro Tonne im Mai 2008 mit 168 Euro um 60 Prozent über dem Vorjahresniveau lag.

Weitere Detailinformationen sowie Adressen und Ansprechpatrner unter gtai.de.

Autor: Waldemar Duscha

Quelle: Germany Trade & Invest

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Artikel vom: 16.09.2009 09:13
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