Wie halten es die im Deutschen Bundestag vertretenen Parteien mit der Abscheidung und Speicherung von CO2, der sogenannten CCS-Technologie (Carbon Capture and Storage)? Hat die „saubere“ Kohle in Deutschland eine Zukunft? Wie lässt sich das Verständnis dieser Technik in der Bevölkerung verbessern? Das Berliner Forum für Zukunftsenergien, eine nach eigener Auskunft unabhängige Plattform für den Aufbau einer nachhaltigen Energiewirtschaft, lud Anfang September Experten der Bundestagsfraktionen zu einer Podiumsdiskussion nach Berlin ein. Warnende Worte prägten die Debatte – allerdings wiesen sie in völlig unterschiedliche Richtungen.
„Ein Fass ohne Boden“ sei die CCS-Technik, sagte Hans-Josef Fell, Sprecher für Energie und Technologie in der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen. Sie führe in die ökonomische und ökologische Sackgasse, mit ihr lasse sich das Klimaproblem nicht lösen. Laut Fell erfordern mit CCS-Technik nachgerüstete Kohlekraftwerke einen bis zu einem Drittel höheren Energieeinsatz. Die steigende Kohlenachfrage verteure daher die Energiegewinnung aus solchen Kraftwerken. Zudem seien viele Risiken der CO2-Einlagerung noch ungeklärt, deshalb hätten die Menschen Angst vor dieser Technik.
„Kohlendioxid lässt sich nicht endgültig einlagern“, warnte auch Hans-Kurt Hill von der Bundestagsfraktion der Partei Die Linke. CCS diene zudem dazu, die Energieversorgung durch große, zentrale Kohlekraftwerke aufrechtzuerhalten. „Wir brauchen künftig aber eine dezentrale Stromversorgung in Deutschland“, sagte der energiepolitische Sprecher der Linksfraktion. Mit weiteren CCS-Forschungen in Deutschland habe er jedoch keine Schwierigkeiten. „Wir wollen ja wissen, ob das klappt“, so Hill.
Vor einem möglichen Aus für die CCS-Erprobung in Deutschland warnte die FDP-Bundestagsabgeordnete Gudrun Kopp. Damit erreiche man nur, dass „Energieunternehmen ins Ausland abwandern“. Ein Stopp erweise auch dem Klimaschutz einen Bärendienst. Es sei für die „ganze Welt wichtig“, erklärte die Sprecherin für Energiepolitik und Welthandelsfragen der FDP-Bundestagsfraktion, „dass wir Techniken zur CO2-armen Kohleverstromung anbieten können“. Widerständen von Bürgerinnen und Bürgern gegen geplante CO2-Endlager will sie mit „transparenteren Informationen“ begegnen. „Aber irgendwann sind mutige Entscheidungen gefordert“, so Kopp.
Der Bundestagsabgeordnete Joachim Pfeiffer, Koordinator für Energiepolitik der Fraktionen CDU/CSU, warb ebenfalls für die weitere Erprobung und Entwicklung der CO2-Abscheidung und Speicherung. Heute, sagte Pfeiffer, ständen in Deutschland vor allem die Risiken der Technik im Vordergrund. Gegner der „sauberen“ Kohle versuchten „mit unlauteren Argumenten ihre Weiterentwicklung im Keim zu ersticken“. Andere Länder dagegen sähen CCS „nicht als Risikotechnologie, sondern als künftigen Markt“, so Pfeiffer. Die Politik müsse in der nächsten Legislaturperiode „sehr schnell neue Wege zur Steigerung der CCS-Akzeptanz“ suchen. Sonst verspiele sie Technologiechancen.
„Wir dürfen CCS nicht schon in der Forschungsphase kaputtmachen“, warnte auch der SPD-Abgeordnete Dirk Becker, der seine Fraktion im Bundestagsausschuss für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit vertritt. CCS sei „vielleicht keine wesentliche Klimaschutzoption für Deutschland“, sagte Becker. Als zusätzliches Instrument müsse man sich „die Technik aber offen halten“, falls die Beiträge erneuerbarer Energien oder die Steigerung der Energieeffizienz nicht ausreichten. Politik und Wissenschaft müssen sich seiner Ansicht nach künftig auch auf Forschungen zur Wiederverwendung von eingelagertem CO2 konzentrieren. Gelinge der Aufbau einer CO2-Kreislaufwirtschaft, dann, so Becker, „haben wir ein großes Akzeptanzproblem in der Bevölkerung gelöst“.
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