Bukarest (gtai) - In Bulgariens Hauptstadt Sofia stehen mehrere Ausschreibungen im Bereich Abfallwirtschaft unmittelbar bevor. Wie die Stadtverwaltung auf Anfrage mitteilte, sollen innerhalb der nächsten zehn Tage mehrere Tender für ein "Integriertes Anlagensystem für die Behandlung von Haushaltsabfällen" veröffentlicht werden. Konkret ausgeschrieben werden eine Biologisch-Mechanische Abfallaufbereitungsanlage (BMA), eine Restmülldeponie, eine Kompostieranlage für Bio- und Grünabfälle und die Bauüberwachung.
Die geplanten Kapazitäten und Ausschreibungstermine sind:
Biologisch-Mechanische Aufbereitungsanlage( 410.000 t/Jahr): Ende September 2009
Restmülldeponie (104.000 t/Jahr): November 2009,
Kompostieranlage (40.000 t/Jahr) Ende September 2009
Bauüberwachung (-): Ende September 2009
![]() |
| Foto: Pixelio / C. Nöhren |
Als sicher gilt hingegen, dass die Biologisch-Mechanische Aufbereitungsanlage (BMA) den größten Anteil der Geldes verschlingen wird. Sie soll im Dorf Jana (Yana), rund 22 km östlich von Sofia entstehen und eine Kapazität von 410.000 t pro Jahr erreichen. Die Anlage soll den neuesten EU-Standards entsprechen und Briketts als Sekundärbrennstoff erzeugen. Die Brennstoffbriketts könnten als Abfallprodukt beispielsweise ein Zementwerk mit Energie versorgen oder aber auch ein nahegelegenes Fernwärmekraftwerk.
Im gleichen Ort wie die Biologisch-Mechanische Aufbereitungsanlage soll auch die geplante Restmüll-Deponie entstehen. Die vorgesehene Kapazität beläuft sich auf 104.000 t pro Jahr. Die Anlage zur Kompostierung mit einer angesetzten Kapazität in Höhe von 40.000 t pro Jahr soll hingegen in der Nähe der Dörfer Dolni Bogrov und Gorni Bogrov, rund 15 km außerhalb des Sofioter Stadtzentrums entstehen. Experten halten es für möglich, dass aus Kostengründen zunächst eine Kompostieranlage mit einem geringeren Volumen gebaut wird, die dann später erweitert werden kann.
Das Abfall-Großprojekt bei Sofia ist nur eins von zahlreichen anstehenden Investitionen in die bulgarische Abfallwirtschaft, die zum Großteil über die Europäische Union (EU) finanziert werden. Die anstehenden Projekte sind für deutsche Unternehmen, die für ihre Expertise in Sachen Umwelttechnik bekannt sind, von äußerst großem Interesse. Die Machbarkeitsstudie für das Abfall-Großprojekt bei Sofia haben beispielsweise unter anderem Mitarbeiter des deutschen Consulting-Unternehmens Fichtner aus Stuttgart erstellt. "Die BMA-Technik ist in Deutschland entwickelt worden. Auch deshalb gibt es im Rahmen der anstehenden Ausschreibungen gute Chancen für deutsche Unternehmen", ist sich Fichtner-Consultant Frank Bickel sicher.
Über die Bedingungen für die Teilnahme am Tender für die Biologisch-Mechanische Aufbereitungsanlage soll Sofias stellvertretende Bürgermeisterin, Maria Boyadjiyska, laut Medienberichten bereits einiges verraten haben. Der geforderte Mindestjahresumsatz für teilnehmende Unternehmen beträgt demnach 200 Mio. Lewa (rund 102,26 Mio. Euro, 1 Euro = 1,9558 BGN). Diese Mindestumsatzhöhe muss jeweils in den vergangenen drei Jahren erreicht worden sein. Weitere Bedingung für die Tender-Teilnahme soll sein, dass die Unternehmen bereits eine ähnliche Anlage mit einer Mindestkapazität von 200.000 t Abfall pro Jahr errichtet haben oder alternativ zwei Anlagen mit einer jeweiligen Mindestkapazität in Höhe von 100.000 t pro Jahr.
Die anstehenden Ausschreibungen werden über mehrere Kanäle veröffentlicht, unter anderem in der Ausschreibungsdatenbank der EU (ted.europa.eu) sowie im Bulgarischen Staatsanzeiger.
Der Nachholbedarf in Sachen Abfallmanagement ist auf dem Balkan riesig. Nach der jüngsten Vergleichsstatistik von Eurostat war Bulgarien 2007 das einzige EU-Mitglied, das seinen kommunalen Abfall zu 100 Prozent auf Deponien gelagert hat, also weder kompostiert noch recycelt. In Rumänien landeten 99 Prozent auf einer Deponie und 1 Prozent wurde recycelt. Zum Vergleich: Im Vorreiterland Deutschland wurde 2007 nur 1 Prozent des kommunalen Abfalls deponiert und 46 Prozent wurden wiederverwertet. Durchschnittlich landeten in den 27 EU-Mitgliedsländern 42 Prozent des kommunalen Abfalls auf Halden.
Weitere Details, Kontaktanschriften und Internetlinks sind unter gtai.de zu finden.
Autorin: Annika Pattberg Quelle: Germany Trade & Invest
| Zurück |
|



