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Madrid - Die Bedeutung des Abfallmanagements steigt in Spanien an. Der Auf- und Ausbau einer integrierten und effizienten Abfallwirtschaft ist Ziel des umfassenden staatlichen Plans bis 2015. Außerdem liegen ehrgeizige Vorhaben auf regionaler und kommunaler Ebene vor. Die erforderlichen Investitionen zur Umsetzung sind hoch. Die Gesamtvorhaben eröffnen auch ausländischen Unternehmen vielfältige Geschäftschancen. Gefragt sind vor allem branchenspezifisches Beratungs-Know-how sowie einschlägige Hochtechnologie.

Schrottplatz
Foto: Pixelio / Dieter Schütz
Verstärktes Umweltbewusstsein ist erst neueren Datums in Spanien. Das Land tat sich in der Vergangenheit nicht durch eine besondere europäische Vorreiterstellung in der Umweltpolitik hervor. Mit Beitritt zur Europäischen Gemeinschaft im Jahr 1986 ist es indessen auch gehaltenen, den entsprechenden Auflagen und Richtlinien nachzukommen. Wenngleich Spanien im Vergleich zu einigen nördlichen EU-Ländern immer noch deutlich dem erreichten Niveau der Partnerstaaten hinterher hinkt, ist eine Verbesserung gegenüber früheren Jahren festzustellen.

Seit dem Beitritt zur EG kann klar von einem wachsenden Umweltbewusstsein quer durch die gesellschaftlichen Gruppen gesprochen werden. Zudem wird der Umweltsektor immer mehr als lukrativer Wirtschaftsbereich für die Maschinen- und Anlagenproduktion (zum Beispiel Verbrennungsöfen) sowie für Dienstleistungen (zum Beispiel Ausbildungsgänge "Master im Abfallmanagement") wahrgenommen. Außerdem sind bei Unternehmen Verlagerungen ihrer Geschäftstätigkeit hin zum Umweltsektor mit neuem Schwerpunkt (zum Beispiel kommunale Müllabfuhr) festzustellen. Ferner nehmen die FuE-Investitionen ebenso zu wie die Zahl der Fachmessen, Symposien und Seminare im Sektor.

Der rechtliche Rahmen ist durch eine Vielzahl von Gesetzen, Normen und Bestimmungen geprägt. Eine wichtige Regelung auf EU-Ebene stellt dabei die Richtlinie 2008/98/EG vom 19.11.08 über Abfälle und zur Aufhebung bestimmter früherer Richtlinien dar.

Einen bedeutenden Schritt zur Verbesserung der Umweltsituation unternahm das Land 1995 mit Plänen für die Behandlung gefährlicher Abfälle und für die Wiedergewinnung verseuchter Böden. Anfang 2000 wurde der erste Nationale Plan für kommunale Abfälle (I PNRU 2000-2006) verabschiedet. Ende 2006 wurde dann der Integrierte Nationale Plan für Abfälle (Plan Nacional Integrado de Residuos, PNIR 2007-2015) mit einem ehrgeizigen Zielrahmen vorgelegt; er wird seither alljährlich aktualisiert. In ihm ist der Plan für die kommunalen Abfälle als Teilplan (II PNRU 2007-2015), neben einem ganzen Fächer von Plänen (unter anderem von den gefährlichen Abfällen über Alt-Kfz und Altreifen bis hin zu Bauabfällen) enthalten.

Der PNIR hat unter anderem folgende Zielsetzungen: Veränderung der gegenwärtigen Wachstumstendenz im Abfallaufkommen; Abschaffung der illegalen Deponien; Verringerung der Entsorgung auf Deponien; Auf- und Ausbau einer effizienten und integrierten Abfallwirtschaft; Verbesserung der Umfragen und Erhebungen sowie der gesamten statistischen Datenerfassung im Sektor als Grundlage für sichere Entscheidungen; Erhöhung der FuE-Investitionen.

Für die Haushaltabfälle strebt der PNIR konkret folgende Ziele an: Umsetzung der Fünf-Stufen-Abfallhierarchie (Vermeidung, Vorbereitung zur Wiederverwertung, Recycling, sonstige Verwertung und Beseitigung) als generelles Prinzip für Abfallpolitik und -gesetzgebung; bis spätestens 2015 Verwirklichung der kontrollierten Einsammlung von Papier, Metall, Kunststoffe und Glas; bis spätestens 2020 Bereitstellung der entsprechenden Infrastruktur zur Wiederverwertung und Recycling von Papier, Metall, Kunststoffe und Glas, damit diese um mindestens 50 Prozent ansteigen kann; Förderung der kontrollierten Einsammlung organischer Abfälle und deren Kompostierung; Aufrüstung der Verbrennungsanlagen unter den Gesichtspunkten der Energieeffizienz und der Wärmegewinnung.

Noch 2007 ging der PNIR für den Neunjahreszeitraum 2007-2015 von einem Investitionsvolumen für die Umsetzung der angestrebten Vorhaben in den diversen Teilplänen von über 10 Mrd. Euro aus. Dieses Volumen könnte weiter ansteigen.

Allein für die kommunalen Abfälle veranschlagte der PNIR einen Investitionsbedarf von knapp 4,3 Mrd. Euro. Hier entfielen mit die größten Beträge auf die folgenden Teilprogramme (Angaben in Mrd. Euro) Abfallverhütung 1,5; Recycling 0,9; Wiederverwertung 0,5; Forschung und Entwicklung sowie Innovation 0,5.

Die Umsetzung unterliegt den siebzehn Autonomen Regionen (Comunidades Autónomas) sowie den über 8.000 Gemeinden (Municipios). Diese haben mittlerweile einen eigenen Rechtsrahmen mit einem umfassenden Regelwerk geschaffen. Darüber hinaus haben sie eine Vielzahl von Programmen und Plänen verabschiedet.

So umfasst zum Beispiel das Programm von Katalonien für das kommunale Abfallmanagement (Programa de Gestió de Residus Municipals a Catalunya, PROGREMIC) für den Zeitraum 2007 bis 2012 ein Investitionsvolumen von 1,2 Mrd. Euro. Ähnliche Programme und Pläne liegen für die anderen Autonomen Regionen vor.

Mit diesem Gesamtrahmen bietet die Abfallwirtschaft im Lande auch ausländischen Unternehmen vielfältige Geschäftsmöglichkeiten. Sie reichen, wie auf Messen ersichtlich, von der kommunalen Beratung über den für den Aufbau integrierter und effizienter Abfallmanagementsysteme bis hin zur Lieferung von Fahrzeugen, Maschinen und Anlagen. Die Direkteinschaltung deutscher Unternehmen, zum Beispiel im kommunalen Abfallmanagement, wird indessen als schwierig angesehen, weil die Branche durch überregionale und regionale Anbieter fest in spanischer Hand ist.

Hiesigen Presseangaben zufolge handelt es sich beim Abfallmanagement um einen Wachstumszweig. Der gesamte Bereich der Abfallwiederverwertung und des Recycling ist während der letzten Jahre angestiegen. Das Geschäftsvolumen der Gesamtbranche soll wie anlässlich der Messen "TECMA" und "SRR" 2008 bekanntgegeben wurde bei über 5 Mrd. Euro liegen.

Der Verband FER geht von folgender Gesamtsituation für den Abfallbereich aus: Insgesamt 47 Mio. Abfallproduzenten; eine Branchenstruktur (einschließlich Hilfs- und Zulieferbereiche) von über 42.000 Unternehmen (wovon 40.000 als Kleinfirmen, 2.000 als Mittelbetriebe und 50 als Großfirmen eingestuft werden), die sich mit der Abfalleinsammlung und der Abfallbehandlung befassen sowie 10 Großverbrennungsanlagen. Rund 25.000 Mitarbeiter sollen direkt und weitere rund 100.000 indirekt in der Branche beschäftigt sein.

Eine bedeutende Stellung haben in der spanischen Abfallwirtschaft die Bauunternehmen. Aufgrund des ab Mitte der 90er Jahre einsetzenden Baubooms haben die Firmen eine merkliche Verbesserung ihrer Ertragslage erzielen können und betrieben seither eine konsequente Diversifizierung ihrer Geschäftstätigkeit (von der Wasserwirtschaft über die erneuerbare Energie bis hin zu Logistik, Parkhausbetriebe und Fährdienste). Ein wichtiges weiteres Geschäftsfeld ist der gesamte Umweltbereich, in dem die bekannten Unternehmen der Bauwirtschaft zu finden sind: Acciona, Actividades de Construcción y Servicios (ACS), Dragados, Fomento de Construcciones y Contratos (FCC), Ferrovial Agroman, Obrascón Huarte Lain (OHL) und Sacyr Vallehermoso.

In den jeweiligen Unternehmen nimmt die neue Sparte "Medioambiente" (einschließlich des Abfallmanagements und der Energiegewinnung aus Abfällen) neben dem klassischen Baugeschäft (zum Beispiel Infrastrukturbauten) und den ebenfalls ansteigenden Baudienstleistungen (zum Beispiel Immobilienverwaltung und Facility Management) in nicht wenigen Fällen eine wachsende Rolle ein. Die Anteile am Gesamtumsatz schwanken zwischen 10 und 25%; zum Teil werden mittelfristig Quoten von 50% angestrebt. Der Umweltbereich wurde von den Baufirmen als wichtiger Wachstumssektor erkannt um sich zu reorganisieren und neu aufzustellen. Die Unternehmen drängen zudem in andere europäische Länder und nehmen über ihre Niederlassungen beziehungsweise durch die Übernahmen örtlicher Gesellschaften an den üblichen Ausschreibungen und kommunalen Auftragsvergaben teil.

Kontaktanschriften:

Ministerium: * Ministerio de Medio Ambiente y Medio Rural y Marino. Calidad y Evaluación Ambiental (MARM); www.marm.es
Verband: * Federación Española de la Recuperación y del Reciclaje (FER); www.recuperacion.org

Ausschreibungen:

* Plataforma de Contratación del Estado. Ministerio de Economía y Hacienda; http://contrataciondelestado.es
* Boletín Oficial del Estado (BOE), www.boe.es

Fachzeitschriften:

* "Residuos". Reed Business Information (RBI); www.rbi.es/publicaciones/residuos.htm
* "Tecnoambiente". Revista Profesional de Tecnología y Equipamiento de Ingenieria Ambiental. Tecnología Internacional del Agua, S.A. (TIASA); www.tiasa.net

Autor: Georg Oster

Quelle: Germany Trade & Invest

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Artikel vom: 02.10.2009 10:15
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