Den Haag - Noch leidet die Abfallwirtschaft in den Niederlanden stark unter der weltweiten Wirtschaftskrise. Doch beginnt sich die Nachfrage nach wiederaufbereiteten Rohstoffen erneut zu rühren und die Preise steigen. Impulse erschließen die handelsstarken Niederländer im Außenhandel. Die deutschen Lieferanten von Technologie und Diensten können fallweise auf mehr Geschäfte hoffen, denn die Reorganisation der Abfallwirtschaft schreitet ebenso voran wie die Vernetzung mit deutschen Recyclingaktivitäten.
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| Foto: Pixelio / Netti69 |
Die Behandlung von flüssigen und festen Abfallstoffen - ohne die Abwasserklärung - hatten bis 2008 etwa 700 Unternehmen durchgeführt, deren Umsatz auf rund 5,0 Mrd. Euro geschätzt wird und damit in der Spitzengruppe der EU angesiedelt ist. Dabei dominieren kleine und mittlere Unternehmen (KMU), daneben existieren eine Reihe von international tätigen Firmen in der Abfallaufbereitung, etwa SITA, AVR-Van Gansewinkel, AVRI, Zavin, HVC, Twence and Sortiva, Bentum Recycling oder Multinet.
Die lokalen Hersteller von Technologie umfassten 2008 etwa 107 hochtechnisierte Unternehmen, die in der Environmental Equipment and Techniques Suppliers Association (VLM) angehören und dort kontaktiert werden können. Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass die Aspekte der Technologiefirmen nicht nur Abfall (Waste), sondern auch andere Sparten des Umweltschutzes umfassen, vor allem dauerhafte Energie, Wasser und Luft. In guten, aber auch in schlechten Zeiten können diese Firmen nicht die gesamte Palette der Technologien bereitstellen; die Lieferchancen für deutsche Unternehmen bleiben bestehen.
Es existiert eine große Anzahl von Dienstleistungsfirmen, die das Statistikamt CBS für 2006 auf mehr als 17.000 Firmen beziffert. Dabei handelt es sich um überwiegend hochspezialisierte Ingenieur- und Beratungsbüros kleinen und mittleren Zuschnitts. Aber auch einige weltweit agierende Firmen gehören dazu, etwa Ecofys, Tauw, Grontmij, DHV oder Royal Haskoning, die abfallwirtschaftliche Vorhaben von Kanada (Hausmüllsammlung / Trennung / Recycling) bis China konzipieren.
Hinzu kommen die großen Entsorger für kommunale Abfälle. Die Niederlande befinden sich mit einem kommunalen Abfallaufkommen von 630 kg pro Person im oberen Feld der EU (zum Vergleich Deutschland: 564 kg). Davon werden nur noch etwa 3 Prozent auf Deponien entsorgt, 38 Prozent gehen in die Verbrennung, 32 Prozent in das Recycling und 28 Prozent in die Spezialität der Niederländer, die Kompostierung. Es existiert ein System der Abfalltrennung, wofür auch deutsches Know-how zum Zuge kommen kann. Die großen Metropolen (Amsterdam, Rotterdam, Utrecht) sind Vorreiter in der Nutzung von innovativen Verwertungsmethoden mit Merkmalen wie Energieeffizienz, Ressourcen- und Materialeffizienz (siehe www.afvalenergiebedrijf.nl).
Die abfallpolitischen Zielsetzungen für die Niederlande sind im National Waste Management Plan (LAP) festgeschrieben. Bis 2012 sollen ehrgeizige Ziele verwirklicht werden, deren Umsetzung weiterhin einen hohen Investitionsschub bedingt. Dafür stehen in der Krise die Zeichen nicht gut, doch sieht das Konjunkturprogramm der niederländischen Regierung vor, laufende und erst beabsichtigte Vorhaben rascher zu verwirklichen als in den ursprünglichen Zeitplänen ausgewiesen. Zu den bevorzugten Adressaten dieser Politik zählt der Umweltsektor, darunter auch die Abfallwirtschaft und das Recycling.
Aktuell zeigen sich folgende Entwicklungsvorhaben. Drängender Bedarf besteht für die Rekultivierung von verseuchten Böden und illegalen Deponien, die Regierung hat hierfür 2009 ein Dringlichkeitsprogramm mit 660 Mio. Euro dotiert. Priorität haben 1.800 Gefahrenpunkte (verursacht von Industriebetrieben) von insgesamt nicht weniger als 14.000 identifizierten problematischen Lagerstätten. Deutsche Unternehmen sollten Einschaltmöglichkeiten prüfen.
Ein weiteres Beispiel für den Einsatz neuer Technologien bietet das Autorecycling. Ab 1.1.09 gilt ein Verbot bestimmter Stoffe, die bislang bei der Autoverwertung angefallen waren, für die Entsorgung auf Deponien (Deponieverbot). Durch den Einsatz der Post-Shredder-Technologie (PST) werden auch diese problematischen Stoffe für das Recycling durch Demontagebetriebe erschlossen, die dem Verband Auto Recycling Nederland (ARN) angeschlossen sind. Dadurch kann die Recyclingquote von 95 Prozent für Altfahrzeuge erreicht werden, die die EU erst ab 2015 fordert. Für 2009 rechnet ARN mit einer Verdoppelung der zu recycelnden Altautos auf 200.000 bis 300.000 Stück wegen der auch in den Niederlanden eingeführten Abwrackprämie. Deutsche Technologiefirmen haben bereits von dieser Entwicklung profitiert und sie werden diese auch künftig begleiten, denn Volkswagen und SiCon lieferten die Patente und wirken bei Bau und Betrieb der Anlagen mit (siehe www.arn.nl).
Es besteht ein starker Nachholbedarf bei dem Recycling von Altplastik aus Verpackungen, die im kommunalen Abfall anfallen, während im industriellen Altplastik das Recycling gelingt. Der Druck wird durch ehrgeizige Auflagen erzeugt: Start 2009 mit einer Recyclingquote von 32 Prozent, dann 38 Prozent bis 2010 und 42 Prozent bis 2012. Eine neue Verpackungssteuer soll sowohl den Druck auf die Entsorger steigern und zugleich für die Beschaffung von modernsten Sortieranlagen für Plastikmüll dienen. Auch hier können deutsche Technologielieferanten zum Zuge kommen. Bislang wurde ein Teil des Mülls in Deutschland verbrannt.
Kontaktadressen:
* Dutch Waste Management Association (Vereniging Afvalbedrijven), Hertogenbosch: www.verenigingafvalbedrijven.nl(Verband der Abfallwirtschaft)
* The Netherlands Waste Processing Association (VVAV), Utrecht: www.vvav.nl
* Netherlands Association of Environmental Professionels (Vereniging van Milieukundigen VVM), Hertogenbosch: www.vvm.info
* Ministry of Housing, Spatial Planning and the Environment (VROM), Den Haag: www.vrom.nl(auch für Abfallwirtschaft zuständig)
* Association of Suppliers of Environmental Equipment and Technology (VLM): www.vlm.nl (Verband der Hersteller von Recycling- und Umwelttgechnologie)
* Auto Recycling Nederland bv, Amsterdam: www.arn.nl
* Glass Recycling Foundation, Den Haag, Tel.: 0031 70 427 59 06
Autor: Max-Helmut Semich Quelle: Germany Trade & Invest
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Artikel vom: 05.10.2009 09:31
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