Stockholm - Schwedens Abfall- und Verpackungsindustrie gilt als äußerst innovativ hinsichtlich ökonomischer, technischer und ökologischer Lösungsansätze. Für deutsche Verpackungsfirmen, Maschinenbauer, Werkstofflieferanten bietet der verhältnismäßig große schwedische Verpackungsmarkt attraktive Beteiligungsmöglichkeiten. Für Bewegung sorgen auch die auf EU-Direktiven basierenden Regelungen zu Recycling und Produzentenverantwortung.
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| Foto: Pixelio / Dietmar Meinert |
In Schweden wird seit dem 20. September 2006 ein zentrales Register für die Meldepflicht des Verkaufs von Elektrowaren geführt. In das von der Umweltbehörde des Landes (Naturvardsverket) betriebene Melde-Register müssen sich alle Hersteller, Händler und Importeure, die in Schweden elektrische und elektronische Produkte verkaufen, eintragen lassen. Mit Hilfe des Registers soll die Produzentenverantwortung gemäß der entsprechenden EU-Richtlinie zum "Elektroschrott" in Schweden effizient überwacht werden.
Auch ausländische Hersteller, die hierzulande als Importeur oder Verkäufer auftreten, sind als Produzent verantwortlich für die ordnungsgemäße Entsorgung ihres "Elektroschrotts". Ähnlich wie beim Verpackungsrecycling schließen Hersteller beziehungsweise Verkäufer und Importeure einen Vertrag mit einer Entsorgungs- beziehungsweise Wiederverwertungsgesellschaft wie zum Beispiel der Firma El-Kretsen ab. Laut offiziellen Angaben belief sich das Elektroabfallaufkommen in Schweden 2008 auf 151.700 t, 5,4 Prozent weniger als 2007.
Im Bereich der Verpackungsentsorgung beziehungsweise -verwertung besteht in Schweden seit 1994 eine Verordnung (1997:185). Gemäß dieser Regelung sind alle Unternehmen, welche eine Verpackung oder eine verpackte Ware herstellen, importieren oder verkaufen, für die ordnungsgemäße Entsorgung dieser Verpackung verantwortlich.
Um dieser Verantwortung nachzukommen, ist ein Vertrag mit dem Entsorgungssystembetreiber REPAregisret AB (REPA) abzuschließen. Damit erhält der Hersteller, Importeur sowie Verkäufer auch das Recht, den mit dem deutschen "Grünen Punkt" identischen "Gröna Punkten" zu nutzen, ist aber anders als in Deutschland nicht dazu verpflichtet. In dem Vertrag werden die Rechte und die Pflichten der Vertragspartner festgelegt. Die vereinbarten Entgelte sind material- beziehungsweise gewichtsabhängig.
Bei deutschen Unternehmen, die Waren nach Schweden exportieren, ist im Regelfall der Importeur beziehungsweise die ortsansässige Tochterfirma Vertragspartner des Systembetreibers. Ausnahmen sind Exporteure, die mit vielen kleinen, einzelnen Wiederverkäufern zusammenarbeiten. In diesem Fall kann der deutsche Hersteller eine Sondervereinbarung mit REPA abschließen. Auch im Distanzhandel (E-Commerce, Versandhandel) bestehen Sonderregelungen, da Transaktionen hierbei in der Regel ohne Importeure erfolgen. Die Vertriebswege sind somit vielfach kaum nachvollziehbar und eine Produzentenverantwortung lässt sich nur schwer durchsetzen.
Seit 1. Juni 2007 ist das auf EU-Direktive 2000/53/EG basierende Gesetz zur Produzentenverantwortung für Kraftfahrzeuge (2007:185) in Kraft getreten. Die Zuständigkeit für Beratung und Ausführung der Regelung liegt bei der schwedischen Umweltbehörde (Naturvardsverket); Aufsichtspflicht tragen die Kommunen und die Bezirksregierungen des Landes. Ebenfalls auf EU-Direktive (2006/66/EG und 91/157/EEG) basierend wurde am 1. Januar 2009 das Gesetz zur Produzentenverantwortung für Batterien (2008:834) eingeführt. Für Beratung und Ausführung der Regelung ist auch die bereits genannte Umweltbehörde zuständig. Hersteller und Importeure von Batterien sind mit in Kraft treten des Gesetzes verpflichtet, dort eine Registrierung zu beantragen. Anmeldung und Registrierung erfolgen dabei online ( http://batteriregistret.naturvardsverket.se).
Die Deutsch-Schwedische Handelskammer unterhält in Malmö ein Servicebüro für europäisches Verpackungsrecycling und hilft mit Auskünften über die relevanten schwedischen Vorschriften zur Entsorgung von Verpackungen und zu anderen Umweltfragen. Das Büro bietet Exporteuren und ausländischen Tochtergesellschaften Dienstleistungen und Hilfestellung bei der Zeichnung von Verträgen und den Meldeverfahren.
Die Recyclingstatistik für 2009 zeigt, dass die Wiederwertung von Verpackungen und Zeitungen in Schweden weiterhin zunimmt. Insgesamt lag das Aufkommen von Verpackungen und Zeitungen 2008 bei etwa 1,57 Mio. t. Rund 1,25 Mio. t davon wurden für Wiederverwertungszwecke (Herstellung neuer Materialien oder Energiegewinnung) genutzt. Der Recyclinganteil liegt damit bei 79,6 Prozent, circa 1,4 Prozent mehr als 2007.
Die Förder-Organisation Invest in Sweden ("ISA") engagiert sich regelmäßig, deutsche Akteure aus der Abfall- und Verpackungsindustrie auf die Geschäfts- und Entwicklungsmöglichkeiten aufmerksam zu machen. Unter anderem bietet ISA auf ihrer Homepage ( www.isa.se) verschiedene Online-Rechercheoptionen für die Suche nach schwedischen Akteuren aus dem Bereich.
Nach Auskunft der zuständigen Branchenorganisation STFI erreichte der Verkauf von Verpackungen 2007 etwa 19 bis 20 Mrd. Schwedischen Kronen (skr; rund 1,7 Mrd. bis 2,0 Mrd. Euro, Monatsdurchschnittskurs September 2009 1 Euro = 10,1976 skr) und ein Verpackungsvolumen von 1.649.850 t. Gemessen an dem kleinen Inlandsmarkt mit gut 9 Mio. Einwohnern rangiert das skandinavische Land mit diesem Aufkommen international auf einem vorderen Platz.
Zahlreiche weltweite Verpackungsstandards und Innovationen im Bereich der Verpackungen, die aus Zellulose bestehen, stammen aus Schweden. Vorzeigeunternehmen ist dabei die Firma Tetra Pak, Weltmarktführer für "Zellulose-Verpackungen". Schweden ist ferner mit Firmen wie Stora Enso, SCA und Holmen einer der größten Anbieter von Papier und Zellstoffen. Das auf diesem Gebiet rohstoffreiche Land verfügt zudem über leistungsfähige Strukturen der industriellen Veredelung von holzbasierten Rohstoffen wie Papier und Zellulose.
Interessante Neuentwicklungen sind laut ISA in jüngerer Vergangenheit im Bereich sensorengestützte und nachhaltige Verpackungskonzepte, wie zum Beispiel im Bereich der Biokunststoffe, zu beobachten gewesen. Ebenso laufen auf dem Gebiet der Verschluss- und Klebetechnik beachtliche Entwicklungsaktivitäten. Norman Karsch, Leiter des Geschäftsbereiches Umweltservice/Verpackungen bei der Deutsch-Schwedischen Handelskammer, würdigt die enge Zusammenarbeit innerhalb der Branche sowie das Angebot für Kooperationen mit wissenschaftlichen Einrichtungen. Das hohe Entwicklungstempo sei vor allem anhand der vielen Innovationen der Branche hierzulande zu beobachten, so Karsch.
Kontaktanschriften:
* Deutsch-Schwedische Handelskammer in Malmö, Södra Promenaden 69, 211 38 Malmö, Tel. 0046 40/30 49 41, Internet: handelskammer.se; E-Mail: norman.karsch@handelskammer.se
* El-Kretsen AB, Barnhusgatan 3, Box 1357, 111 83 Stockholm, Tel.: 0046 8/54 52 12 90, Internet: elkretsen.se
* REPA (REgister för ProducentAnsvar), Vasagatan 11, Box 712, 101 33 Stockholm, Tel.: 0046 8/56 61 44 00, Internet: repa.se
* Naturvårdsverket / Swedish Environmental Protection Agency, Blekholmsterrassen 36, 106 48 Stockholm, Tel.: 0046 8/6 98 10 00, Internet: naturvardsverket.se
* Avfall Sverige AB, Prostgatan 2, 21125 Malmö, Tel.: 0044 40/35 66 00, Internet: www.avfallsverige.se
Autor: Christian Tippelt Quelle: Germany Trade & Invest
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Artikel vom: 09.10.2009 10:31
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