Home / Top-News Abfall / Waste Kreislaufwirtschaft / Recycling Management Energie / Energy Märkte / Markets Unternehmen / Companies Forschung / Research Politik / Policy Recht / Law
Archiv
Zurück Impressum
 

Mailand - Nach einer mehrjährigen Wachstumsphase in der italienischen Abfallwirtschaft ist 2008/09 erstmals eine Verlangsamung eingetreten. Mittelfristig sehen Branchenkenner jedoch ein deutliches Wachstumspotenzial. Das Thema der Abfallentsorgung ist stärker ins Blickfeld der Öffentlichkeit gerückt. Der Investitionsbedarf der Branche ist hoch. Deutsche Unternehmen haben auf dem Markt vor allem wegen ihres technischen Know-hows gute Chancen.

Bosa / Sardinien
Pixelio / Heidrun Schneider
Obwohl sich im ersten Halbjahr 2009 im Schatten der allgemeinen Wirtschaftskrise das Wachstum der italienischen Umwelt- und Recycling-Industrie abschwächte, weist die Branche weiterhin ein großes Wachstumspotenzial auf. Das Umweltbewusstsein ist in den letzten Jahren stark gestiegen und die gesetzlichen Vorgaben sind strenger geworden. Auch die Medien greifen das Abfall- und Entsorgungsthema wesentlich häufiger auf als noch vor wenigen Jahren.

Nach dem Müllskandal von Neapel im Jahr 2008, der weltweit Aufsehen erregte, droht nun ein neuer Müllskandal in Sizilien auszubrechen. Der Stadtversorger Amia aus der sizilianischen Hauptstadt Palermo steht vor dem finanziellen Zusammenbruch. Die Wirtschaftsberater von KPMG haben ein Bilanzloch von 131 Mio. Euro festgestellt. Angeblich warten allein in Palermo 800 Mio. Tonnen Müll darauf, beseitigt zu werden. Es fehlen nicht nur die nötigen Mittel zur Entsorgung, sondern auch die entsprechenden Verbrennungsanlagen und Mülldeponien.

Das italienische Abfallaufkommen ist seit Beginn der Jahrtausendwende beachtlich gestiegen. Laut einer Untersuchung der Mailänder Wirtschaftsuniversität Bocconi kostet der Nachholbedarf in der Entsorgungs- und Recyclingpolitik in den kommenden fünfzehn Jahren 27 Mrd. Euro. Die Entsorgungskapazitäten decken nur 50 Prozent des Bedarfs. Um diesen zu decken, müssten bis 2024 über 105 Verbrennungsanlagen mit einer jährlichen Kapazität von 21 Mio. t und 76 Kompostier-Anlagen mit einer Kapazität von 3,2 Mio. t pro Jahr errichtet werden. Derzeit sind 43 Verbrennungsanlagen und 276 Kompostier-Anlagen in Betrieb. Die Studie basiert auf der Annahme eines jährlichen Stadtmüllaufkommens von 42 Mio. t und einer Mülltrennung von mindestens 65 Prozent.

Grundsätzlich liegt die Zuständigkeit für die Abfallentsorgung bei den Regionen. Neue Müllverbrennungsanlagen werden derzeit in Piemont, Lombardei, Toskana, Kampanien (Salerno) und Sizilien gebaut. Die erforderlichen Investitionen sind hoch. Die Vorhaben eröffnen auch ausländischen Unternehmen vielfältige Geschäftschancen. Gefragt sind vor allem branchenspezifisches Beratungs-Know-how sowie spezielle Hochtechnologie.

In Sizilien entstehen vier neue Anlagen in Palermo, Augusta, Paterno und Casteltermini. Waste Italia hat den Zuschlag für eine Anlage, Actelios Spa für drei weitere Anlagen erhalten. Die Projektfinanzierung von 1,2 Mrd. Euro wird von den Banken Unicredit Group, Banca Intesa, Royal Bank of Scotland und Cassa Depositi e prestiti garantiert.

Die Provinz Florenz will 2010 eine neue thermische Abfallbehandlungsanlage in Betrieb nehmen. Dort soll der Stadtmüll von Florenz verarbeitet und aus dem Abfall Strom und Fernwärme gewonnen werden. Die alte Anlage in Ponte Sieve wird derzeit modernisiert.

Auch die Provinz Turin will bis 2011 eine neue Müllverbrennungsanlage mit einer Kapazität von 450.000 t in Gerbido errichten. Die Investitionen werden auf insgesamt 452 Mio. Euro geschätzt. Die Finanzierung wird zu 20 Prozent von den 47 betroffenen Gemeinden und zu 80 Prozent von der Bank BNP Paribas garantiert. Die Gesellschaft TRM Spa führt das Projekt aus. Die Region Kampanien mit ihrer Hauptstadt Neapel kam in den Genuss von insgesamt 330 Mio. Euro, um neue Müllverbrennungsanlagen zu errichten.

Nähere Angaben zu Abfallvolumen, Abfallverwertung und Außenhandel 2005 sowie Kontaktadressen sind unter gtai.dezu finden.

Autor: Thesy Kness-Bastaroli

Quelle: German Trade & Invest

Ähnliche Artikel:

Artikel vom: 16.10.2009 10:46
Zurück   
© MSV Mediaservice & Verlag GmbH, Bergstr. 16, D-82239 Biburg
Sekundär-Rohstoffe