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Berlin - Zwei Millionen Tonnen Verpackungen werden nicht zur umweltgerechten Entsorgung bei den dualen Systemen angemeldet. Das meldet die Deutsche Umwelthilfe e. V. Ihrer Einschätzung nach sparen durch derart „kostenoptimierte Verteilung der Lizenzmengen“ etliche Unternehmen jährlich rund 700 Millionen Euro. Die Deutsche Umwelthilfe fordert daher konsequente behördliche Kontrollen zur Einhaltung der Verpackungsverordnung.

Schild Abfalltrennung
Foto: Pixelio / Thomas Weiss
Die Mengen der in Umlauf gebrachten und bei den dualen Systemen gemeldeten Mengen Müll klaffen nach Ansicht der Deutschen Umwelthilfe e.V. (DUH) weit auseinander: Nur vier Millionen Tonnen sind bei den bundesweit neun dualen Systemen gemeldet, obwohl jährlich knapp sechs Millionen Tonnen Verkaufsverpackungen in den Haushalten anfallen. „Ein Drittel der Produktverpackungen verschwinden auf wundersame und Kosten sparende Weise aus dem System – die an diesem Betrug beteiligten Unternehmen verdienen sich zu Lasten der Umwelt eine goldene Nase“, sagt Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH. Resch fordert daher „ein Ende des skandalösen Wegsehens der für den Vollzug der Verpackungsverordnung zuständigen Behörden und strikte und lückenlose Kontrollen“, um den Betrug an der Umwelt zu beenden.

Knapp 700 Millionen Euro müssten die Unternehmen für die ordentliche Entsorgung und Lizenzierung der fehlenden zwei Millionen Tonnen Verpackungen bezahlen. Besonders für Kunststoff, Getränkekartons und andere sogenannte Leichtverpackungen aus den gelben Tonnen und Säcken sparen die beteiligten Unternehmen das Geld. Die Entsorgung der Leichtverpackungen ist fünf- bis neunmal teurer als für Papier und kostet bis zu 20-mal mehr als die Entsorgung von Glas. Die Unternehmen müssten allein für die nicht gemeldeten Leichtverpackungen mindestens 560 Millionen Euro zahlen. „Die Aussicht auf Kosteneinsparung regt offensichtlich die Kreativität der Unternehmen und ihrer Berater an“, sagte Resch. „Unternehmen verdienen bares Geld an der Nichtlizenzierung von Teilmengen und an der geschickten aber verbotenen Umdeklarierung von Verbundverpackungen zu beispielsweise Papierverpackungen.“ Auffällig sei zum Beispiel, dass die lizenzierte Menge Getränkekartons seit 2006 um 26 Prozent zurückgegangen ist, obwohl die in Verkehr gebrachte Menge laut dem Branchenverband jährlich nur um etwa 3 bis 4 Prozent sinkt.

Das alles führt zu Wettbewerbsverzerrungen, die nach Erfahrung der DUH zu Lasten der Umwelt ausgeglichen werden. „Wir sind an einen Punkt gelangt, wo die Entsorgung von Verpackungen teilweise zu solchen Fantasiepreisen angeboten wird, dass wir bei einigen Systembetreibern eine sehr zweifelhafte Entsorgungsqualität befürchten müssen“, sagte Maria Elander, Leiterin Kreislaufwirtschaft bei der DUH. Die DUH befürchtet, dass die rechtlich vorgeschriebenen Mindestrecyclingquoten aus Kostengründen von den Systembetreibern zunehmend nur für die lizenzierte Verpackungsmenge erfüllt werden, nicht aber für die tatsächlich anfallenden und gesammelten Verpackungen. Das bedeutet: Verpackungsabfälle könnten verbrannt statt umweltgerecht recycelt werden.

Die DUH fordert daher strenge Kontrollen bei den dualen Systemen und den dort meldenden Unternehmen. „Der Vollzug der Verpackungsverordnung scheitert derzeit, denn die Behörden führen nur sehr wenige und meist oberflächliche Kontrollen und Plausibilitätsprüfungen durch“, sagte Elander. „Die Behörden fördern damit stillschweigend einen Umweltskandal.“

Quelle: Deutsche Umwelthilfe e. V.

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Artikel vom: 21.10.2009 08:42
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