Köln - In Mittel- und Osteuropa (MOE) erwarten die deutschen Hersteller in zwei bis drei Jahren einen regelrechten Boom mit Entsorgungs- und Recyclingtechnik. Mit dem kräftigen Wirtschaftswachstum der vergangenen Jahre stieg dort auch das Abfallaufkommen. Im Zuge der EU-Osterweiterung müssen die neuen Beitrittsländer zudem nach und nach ihre abfallwirtschaftliche Gesetzgebung an die strengen Vorgaben der EU anpassen.
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| Foto: Pixelio / Harry Hautumm |
Auch ein weiteres Branchenunternehmen, zu dessen Produktpalette Ballenpressen und Förderbänder gehören, hat Erfolg auf den osteuropäischen Märkten. Dort macht es seinen größten Umsatz in Polen, dem wichtigsten Umweltmarkt in MOE. In Rumänien hat es wegen der Erwartung steigender Geschäftschancen gerade einen neuen Vertriebsstandort eröffnet. Gute Aussichten auf Aufträge in den neuen EU-Beitrittsländern sieht das deutsche Unternehmen vor allem durch die umfangreichen Förderprogramme der EU.
Polen
Allein Polen will bis 2013 rund 2,3 Mrd. Euro dafür ausgeben, die Abfallreduzierung und -entsorgung an die EU-Umweltschutzvorgaben anzupassen. Die Hauptziele des polnischen "Nationalen Abfallwirtschaftsplans 2010" sind, den Zuwachs der produzierten Abfälle zu drosseln, den Anteil der Verwertung (speziell: Waste-to-Energy) zu steigern, die Menge der deponierten Abfälle zu reduzieren sowie alle illegalen Müllkippen bis Ende 2009 zu schließen. Der in nächster Zeit größte Investitionsbedarf besteht nach Angaben des polnischen Umweltministeriums bei Anlagen für die thermische Abfallbehandlung, für die mechanisch-biologische Behandlung von Abfällen, für die Kompostierung sowie für die Fermentation.
Rumänien
Auch Rumänien hat sich in seinen regionalen und nationalen Strategien für die Entsorgungsstruktur hohe Ziele gesetzt. Im Rahmen des operationellen Programms Umwelt stehen in den nächsten Jahren 1,2 Mrd. Euro für abfallwirtschaftliche Projekte bereit. Die Gelder sollen vor allem in den Bau neuer Deponien fließen. Die zu 100 Prozent getrennte Sammlung von Abfällen für Haushalte soll in den Städten bereits 2009 umgesetzt, in den ländlichen Gebieten zumindest erweitert werden. Investitionen sind auch in Anlagen zur Sortierung, zum Recycling, zur mechanisch-biologischen Behandlung von Abfällen sowie in thermische Verwertungsanlagen vorgesehen.
Die meisten Abfälle entstehen in Polen und Rumänien in der Industrie. In Rumänien verursacht speziell die Rohstoffwirtschaft enorme Müllberge (215,1 Mio. t). Das Gros des kommunalen Müllaufkommens wird in beiden Ländern noch auf die Deponie gefahren. Nur ein vergleichsweise geringer Anteil von Materialien wird getrennt gesammelt und wiederverwertet oder in entsprechenden Anlagen verbrannt. In Polen lag der Anteil des separat gesammelten Abfalls 2008 mit 6,8 Prozent deutlich über der Quote in Rumänien (2007: 1-2 Prozent) (Deutschland: 99 Prozent).
Russland
Auch Russland bietet interessante Geschäftsmöglichkeiten für Anbieter von Abfalltechnik. Der russische Entsorgungs- und Recyclingmarkt ist erst wenig entwickelt und soll in den nächsten Jahren kräftig wachsen. Seit 2000 hat das Müllaufkommen um das 30-fache zugelegt. Der größte Müllverursacher im Land ist die Industrie. Allein auf die Kohleindustrie entfiel 2008 über die Hälfte des gesamten Abfallaufkommens (55 Prozent). Weitere große Müllerzeuger waren die Eisenmetallurgie (17 Prozent) und die Buntmetallurgie (16 Prozent). Rund 12 Prozent entfiel auf andere Reststoffe, inklusive kommunaler Abfälle. Pro Kopf wurden in Russland 2008 geschätzte 280kg Siedlungsabfälle erzeugt, die jedoch nur zu einem geringen Teil getrennt gesammelt wurden.
Die Umweltbelastung in der Russischen Föderation ist wegen der veralteten Umweltgesetzgebung sehr hoch, die Kapazitäten vieler kommunaler Deponien sind erschöpft. Das nationale Ministerium für natürliche Ressourcen und Ökologie erarbeitet momentan eine Abfallwirtschaftsstrategie und will die Umweltgesetzgebung insgesamt bis 2016 rundum erneuern. Besondere schnell soll laut Ministerium die Sanierung von ehemaligen Industriegeländen und -mülldeponien in den Bereichen Chemie und Schwermetall angegangen werden.
Auch wenn in Russland bisher kaum gesetzliche Anreize für die Wiederverwertung von Abfällen existieren, steigt das Interesse am Recycling nicht nur wegen der überfüllten Deponien. Weil die Kosten für die Wiederverwertung angefallener Abfälle zweieinhalb Mal niedriger liegen als bei der Verbrennung plant die Gebietsverwaltung Moskau, neun Abfallverwertungsanlagen in verschiedenen Distrikten zu bauen. Die erste Recyclinganlage soll bis 2012 in Lyubertsy entstehen. Bisher wurde der Großteil der jährlich rund 5,5 Mio. t Abfälle des Gebiets auf unzähligen Deponien abgeladen. Rund 27 Prozent des Mülls wurde in Müllverbrennungsanlagen entsorgt.
Auch die Stadt St. Petersburg möchte ihre Entsorgungsstruktur modernisieren. Sie schreibt ihre erste Abfallbehandlungsanlage mit einer Kapazität von 350.000 t im Wert von 200 Mio. Euro als Public-Private-Partnership aus. Die Konzession über 30 Jahre soll Ende 2010 vergeben werden.
Markteintritt mit hochwertiger Entsorgungstechnik und höherem Preisniveau schwierig
Für deutsche Unternehmen ist der Markteintritt mit hochwertiger Entsorgungstechnik und einem entsprechend höheren Preisniveau in MOE mitunter schwierig. Eine erfolgreiche Strategie kann es sein, im ersten Schritt ausschließlich Gebrauchtmaschinen auf die noch jungen Müllmärkte einzuführen, aber gleichzeitig ein Reparaturservice vor Ort anzubieten. "So kann sich die Firma bei den osteuropäischen Kunden einen Namen machen. Außerdem steigt deren Bereitschaft, sich nach mehreren zufriedenen Jahren mit einer Gebrauchtmaschine auch eine neue der gleichen Marke zu kaufen", berichtet ein Brancheninsider seine Erfahrungen.
Kontakte zu potenziellen Geschäftspartnern im Ausland knüpfen deutsche Firmen aus dem Recycling- und Entsorgungssektor vor allem auf den regionalen Branchenmessen. Es gehört aber auch das einfache "Klinkenputzen" bei großen Müllerzeugern dazu, um die eigenen Produkte abzusetzen. Ausschreibungen sind ebenfalls ein wichtiger Absatzkanal. Wie Branchenkenner berichten, setzen die Unternehmen für einen erfolgreichen Vertrieb ausschließlich ortsansässige Mitarbeiter in den Ländern MOEs ein.
Kontaktanschriften:
* Exportinitiative Recycling- und Effizienztechnik (RETech), Anlaufstelle RETech, Rebekka Hilz, Agrippastr. 87-93, 50676 Köln, Tel.: 0221/20 57 -279, Fax: -212, E-Mail: Rebekka.Hilz@gtai.de, Internet: retech-germany.net
* Polnisches Umweltministerium, Kinga Kulesza, Wawelska Str. 52/54, 00-922 Warschau, E-Mail: Kinga.Kulesza@mos.gov.pl, Internet: mos.gov.pl
* Rumänischer Abfallverband (A.R.S.), Alexei Adutorei, B-dul 1 Mai nr. 51-55, et. 5, sector 6, 061629 Bukarest, Tel.: 0040 21/316 27 69, Fax: -746 2700, E-Mail: alexei.atudorei@yahoo.com, Internet: salubritatea.ro
* Internetadressen russischer Abfallwirtschaftsmagazine: solidwaste.ru und wasterecycling.ru
Autorin: Jessica Pirntke Quelle: German Trade & Invest
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Artikel vom: 27.11.2009 10:14
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