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Moskau - Russlands Abfallwirtschaft steckt noch in den Kinderschuhen. Sowohl das Einsammeln, als auch das Lagern und Verarbeiten von Müll entsprechen längst nicht westlichen Standards. Oft werden einfachste Umweltschutzmaßnahmen nicht eingehalten. Im Jahr 2008 soll es in dem riesigen Land erst sieben Müllverbrennungsanlagen und neun Recyclingbetriebe gegeben haben. Besonders die Hauptstadt Moskau aber auch viele andere Regionen müssen in Deponien und eine bessere Verarbeitung des Hausmülls investieren.

Eremitage St. Petersburg
Foto: Pixelio / Lindenbaum
Die Bestandsaufnahme der russischen Verbraucherschutz-Behörde Rospotrebnadsor liest sich beängstigend: Mehr als die Hälfte der Hausmülldeponien im Lande entsprechen nicht den gesetzlichen Mindestanforderungen, heißt es im 2009 veröffentlichten Bericht zur Sanitär- und Hygienesituation in Russland. Ende 2008 gab es im größten Land der Erde knapp 4.700 Hausmüll-Deponien, wovon nur für die Hälfte ein sanitär-epidemiologisches Zertifikat vorlag. Lediglich 945 Deponien arbeiten mit offizieller Lizenz. Bereits jede zehnte Müllkippe hat mehr als 90 Prozent ihres Fassungsvermögens erreicht, ein weiteres Fünftel ist zu mehr als die Hälfte gefüllt.

Die Zufahrten zu den Deponien haben häufig keine festen Straßenbelag, so dass Schadstoffe ins Erdreich sickern. Wie die Behörde Rospotrebnadsor weiter kritisiert, sind die Anlagen schlecht ausgeleuchtet, mit Technik unterausgestattet und ohne die notwendigen Isolierschichten für die Lagerung von Müll. Ein Monitoring der ankommenden Abfallmengen sowie der ober- und unterirdischen Bodenschichten finde häufig nicht statt. Neben den offiziellen Deponien gibt es in Russland laut Rospotrebnadsor noch rund 12.500 wilde, nicht sanktionierte Müllkippen. Vor allem im ländlichen Raum ist die Müllsammlung und -entsorgung selten organisiert.

Im Jahr 2008 entstand in Russland ein Abfallvolumen von 2,2 Mrd. Tonnen (2007: 3,5 Mrd. Tonnen). Der größte Teil davon entfiel auf die hochindustrialisierte Wolgaregion (880 Mio. Tonnen) und auf Sibirien (570 Mio. Tonnen). Zentralrussland mit der Hauptstadtregion Moskau kam auf ein Volumen von 210 Mio. Tonnen Abfall. Die Hausmüllmenge lag 2008 bei 130 Mio. Tonnen.

Im Sanitärbericht der Verbraucherschutz-Behörde wird kritisiert, dass Russland kein Management-System für feste Haushaltsabfälle habe. Bereits das Einsammeln und Abfahren des Mülls funktioniere schlecht. Hinzu kommt die veraltete, unzeitgemäße technische Ausstattung der Abfallbetriebe und das Fehlen von Sortier-, Recycling- und Verbrennungsanlagen. Kunststoffe, Altpapier, Glas, Säge- und Metallspäne landen unverarbeitet auf den Halden. Auch für die Deponierung von Bauschutt oder Sperrmüll gibt es noch keine Konzepte.

Ein ursprünglich für den Zeitraum 2002 bis 2010 geplantes föderales Programm zur Abfallwirtschaft wurde 2004 für beendet erklärt. Nun liegt die Verantwortung bei den Regionen, die in Eigenregie Projekte zur Müllentsorgung, -deponierung und -verarbeitung organisieren.

Einer der Vorreiter ist die Millionenstadt Sankt Petersburg. Das Problem der Klärschlammverbrennung ist dort bereits über PPP-Projekte weitgehend gelöst. Nun packt die Verwaltung der Newametropole die Haushaltsabfälle an. Ebenfalls im Rahmen einer Public Private Partnership soll für 300 Mio. US$ ein neuer Müllverwertungsbetrieb entstehen, in dem jährlich 350.000 Tonnen (2 Mio. cbm) Abfälle verarbeitet werden können. Über die Technologie kann der Privatinvestor entscheiden, auch eine Verbrennungsanlage ist möglich.

Andere russische Regionen planen ebenfalls Projekte in der Abfallwirtschaft. Spätestens 2012 will die russische MAG Group in Dserschinsk bei Nischni Nowgorod eine Hausmüll-Deponie für 1,14 Mrd. Rubel (40 Mio. $, Wechselkurs am 14.12.2009: 1 US$ = 30,21 Rubel) bauen. In Astrachan entstehen für umgerechnet über 20 Mio. $ ein Sortierkomplex und eine Deponie zur Lagerung von brikettiertem Hausmüll. Kaliningrad hat einen Kostenvoranschlag für den Bau einer Müllsortieranlage in Auftrag gegeben. In Pensa sind die Projektierungsarbeiten für die Müllsortierung bereits abgeschlossen. In Kirow laufen die Projektierungsarbeiten für eine Müllverarbeitungsanlage. In Omsk hat der Bau von zwei Sortieranlagen begonnen, als zweite Phase ist dort auch ein Recyclingwerk geplant.

Die Uralregion Perm hat ein Programm über 3 Mrd. Rubel (rund 100 Mio. $) für die Abfallwirtschaft aufgestellt. Die Mittel sollen im Zeitraum 2010 bis 2014 aus dem Regionalbudget und aus kommunalen Haushalten des Gebietes sowie von Privatinvestoren aufgebracht werden. Interesse daran haben bereits westliche Firmen wie Remondis und ASA gezeigt. Gleich in fünf russischen Regionen investiert das Unternehmen Nationalnaja ekologitscheskaja kompanija derzeit in die Beseitigung, Deponierung und Verarbeitung von Hausmüll.

Mit den größten Müllbergen hat jedoch die Hauptstadt Moskau zu kämpfen - die am dichtesten besiedelte und wohlhabendste Metropole des Landes. Jeder Moskauer "produziert" jährlich rund 300 Kilogramm Haushaltsabfälle. Täglich fahren die Müllwagen der Hauptstadt etwa 10.000 Tonnen auf die Deponien der benachbarten Region, berichtete die Fachzeitschrift "Twerdye bytowye otchody" (dt.: "Feste Haushaltsabfälle"). Obwohl Moskau zwischen 1997 und 2008 zehn Recyclinghöfe errichtet hat, muss der Großteil des Müllaufkommens auf 48 Hausmüll-Deponien in das Moskauer Gebiet gebracht werden. Die erreichen allerdings längst ihre Kapazitätsgrenzen, weshalb die Müllwagen immer weiter weg von Moskau in die Regionen Tula, Wladimir oder Rjasan fahren müssen.

Bislang landen noch 80 Prozent der jährlich 6 Mio. Tonnen Haushaltsabfälle auf den Deponien. Gemäß Verordnung Nr. 313-PP der Moskauer Stadtregierung soll dieser Anteil bis 2015 auf etwa 30 Prozent sinken. Der Rest wird anderweitig verarbeitet.

Ursprünglich war dafür der Ausbau von zwei bestehenden und der Neubau von sechs weiteren Müllverbrennungsanlagen in Moskau geplant. Nach Protesten der Bevölkerung und wegen offiziell zu hoher Kosten hat sich die Stadtverwaltung inzwischen von diesen Plänen verabschiedet. Stattdessen soll auf Recycling und nicht-thermische Verarbeitung der Abfallberge gesetzt werden. Im Gespräch ist unter anderem die Hydro-Separation mit israelischer Technologie. Ein erstes Pilotprojekt entsteht in der Ortschaft Ljuberzy vor den Toren der Stadt (Kapazität: 700.000 Tonnen/Jahr).

Autor: Gerit Schulze

Kontaktanschriften

* GUP Ecotechprom, (Marktführer für Müllabfuhr, -sortierung und -verarbeitung in Moskau), Generaldirektor: Anatoli Nikolajewitsch Zokur, 119180 Moskau, Uliza Bolschaja Poljanka 42, Gebäude 1, Tel.: 007 499 / 238 40 00, Fax: -238 57 10, E-Mail: company@eco-pro.ru, Internet: eco-pro.ru

* Nationalnaja ekologitscheskaja kompanija (baut russlandweit Netz für Hausmüllverarbeitung auf), Generaldirektor: Sergej Wladimirowitsch Choroschajew Uliza Nischegorodskaja 32, Korpus 15, 109029 Moskau, Tel.: 007 495 / 786 36 90, ext. 1363, Fax: -786 36 91, E-Mail: horoshaevsv@roel.ru, Internet: nec-com.ru

Internetseiten

* waste.ru - Portal für die Abfallwirtschaft
* solidwaste.ru - Fachzeitschrift für die Hausmüllwirtschaft
* sibico.com - Homepage für die Fachmesse "WasteTech" (31.5. bis 3.6.2011, Moskau)

Quelle: German Trade & Invest

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Artikel vom: 18.12.2009 08:54
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