London - Im Vereinigten Königreich müssen in den kommenden zehn Jahren rund 1.700 Abfallbehandlungs- und Recyclinganlagen gebaut werden, damit die langfristigen politischen Ziele für den Sektor erreicht werden können. Ein großer Anteil der Anlagen und Ausrüstungen wird aus den USA und anderen EU-Ländern eingeführt. Hinter den führenden Betreibern und Dienstleistern stehen häufig multinationale Konzerne wie Veolia Environnement und GDF Suez. Anlagen zur Gewinnung von Energie aus Abfällen (Energy from Waste) sind zunehmend gefragt.
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| Foto: ©Rolf Handke/PIXELIO |
Dafür sind verstärkte Investitionen unverzichtbar. MBD schätzt, dass zur Erreichung der politischen Sektorziele 2020 rund 1.700 neue Abfallbehandlungsanlagen gebaut werden müssten. Die Betreiber von Müllbehandlungs- und Recyclinganlagen beziehen ihre Ausrüstungen meistens aus anderen EU-Ländern und den USA. Die Chancen für ausländische Anbieter dürften somit gut bleiben. Essentiell für den Bau und Betrieb auch von Recyclinganlagen ist das PFI-Modell (Private Finance Initiative). Mindestens ein privater Akteur erhält von einer Behörde den Auftrag, zum Beispiel eine Anlage zur Müllbehandlung zu finanzieren, zu bauen und zu betreiben. Das Umweltministerium Defra hielt im Haushaltsjahr 2008/09 rund 600 Mio. £ für Darlehen an PFI-Auftragnehmer bereit (für 2009/10 sowie 2010/11: 700 Mio. £).
Defra definiert in einem Strategiepapier vier Abfallströme mit großem Potenzial aus der Sicht von Entsorgungs- und Recyclingtechnikunternehmen: Lebensmittelabfälle, Papier und Pappe, Glas sowie Kunststoff. Der Anteil an Lebensmittelabfällen, der für die anaerobe Gärung genutzt wird, soll künftig weiter steigen. Seit 2010 gilt ein Einspeisetarif für dezentral erzeugten Strom aus anaerober Gärung, für April 2011 ist auch einer für die Wärmeerzeugung aus Biogas und Biomasse geplant. Beim Recycling von Altpapier- und -pappe sieht Defra gute Perspektiven, da erst 50 Prozent des Verbrauchs im Land recycelt wird. Gute Aussichten bestehen auch für den Absatz hocheffizienter Altglassortieranlagen, sowie für das Sammeln und Wiederverwerten gemischter Kunststoffe und von Handels- und Industrieverpackungen aus Kunststoff.
Infolge der Umsetzung der EU-Deponierichtlinie existieren in England statt über 200 nur noch 13 Deponien mit einer Annahmelizenz für Sondermüll, in Schottland und Wales gar keine mehr. Das verknappte Angebot hat das Deponieren von Sondermüll stark verteuert. Seit 2007 müssen alle Abfallarten vor dem Deponieren behandelt werden.
Der Geltungsbereich der Environmental Permitting Regulations (EPR; England and Wales) umfasst seit 2010 auch gebrauchte Batterien und Akkus (Waste Batteries and Accumulators Regulations 2009) sowie seit April 2010 auch die wasserrechtliche Bewilligung zur Einleitung von Abwasser (Water Discharge Consents), die Groundwater Authorisation und die Radioactive Substances Regulations Permits. Für Bergbauabfälle gilt die Mining Waste Directive (MWD).
Die EU-Ziele für die Wiederverwertung von Verpackungsmüll werden alle fünf Jahre revidiert. Die Producer Responsibility Obligations (Packaging Waste) Regulations 2007 fordern bis 31.12.10 folgende Wiederverwertungsquoten: für Glasverpackungen 74,5 Prozent, Papier 68,5 Prozent, Stahl 59,5 Prozent, Aluminium 33,5 Prozent, Kunststoff 25,5 Prozent und für Holz 21,5 Prozent.
Infolge der Elektroschrottrichtlinie (WEEE) müssen seit Juli 2007 die Hersteller für die Kosten der Behandlung von Elektro- und Elektronikschrott aufkommen. Die Verantwortung der Hersteller bezieht sich auch auf Altfahrzeuge (End of Life Vehicles Regulations). Zudem trat die EU-Batterierichtlinie im Land 2008 in Kraft.
Autor: Steffen Ehninger Quelle: Germany Trade & Invest
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Artikel vom: 24.06.2010 09:04
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