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Berlin - Neue Siedlungen und Shoppingcenter auf der „grünen Wiese“ stehen im Widerspruch zu den Zielen der deutschen Nachhaltigkeitsstrategie: Sie verbrauchen Fläche, zerschneiden Landschaften, verlängern Verkehrswege und führen zu steigenden CO2-Emissionen. Als besser verträglich mit dem Leitbild der nachhaltigen Entwicklung gilt die Wiederbelebung innerstädtischer Brachen.

Titelseite "Nachhaltiges regionales Flächenressourcenmanagement"
Umweltbundesamt
In der Praxis aber schrecken Investoren und Kommunen davor oft zurück, weil sie einen höheren Geld- und Arbeitsaufwand gegenüber einer Planung auf der grünen Wiese fürchten. Diese Vorbehalte konnte eine deutsche Forschungsgruppe jetzt entkräften. Das Fazit der Finanzwissenschaftler, Stadtentwickler und Immobilienexperten: Über zehn Jahre betrachtet, bei Berücksichtigung aller Kosten und Erträge, verschwinden die vermeintlichen finanziellen Vorteile auf der „grünen Wiese“.

Zu diesem Ergebnis sind Wissenschaftler um den Leipziger Bauingenieur Prof. Roland Holländer in einer bereits 2009 abgeschlossenen und jetzt vom Dessauer Umweltbundesamt veröffentlichten Studie gekommen. Das Forschungsteam, an dem sich neben verschiedenen Instituten der Universität Leipzig auch die Stadtwerke Düsseldorf beteiligt haben, hat innenstadtnahe Brachflächen der Deutschen Bahn AG unter die Lupe genommen, eines der größten Grundstückseigner der Bundesrepublik. Die Forscher wollten unter anderem wissen, womit Investoren und Kommunen besser fahren: mit Investitionen in Neuausweisungen von Bauflächen auf der „grünen Wiese“ – oder mit Investitionen in die Reaktivierung von Brachen. Nachgeprüft haben sie das in der Wachstumsregion Karlsruhe und in der schrumpfenden Region Leipzig-Halle.

Ein Kernergebnis: Für Investoren rentabler ist die innerstädtische Brache, und zwar „unabhängig von den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Region“. Sie seien wirtschaftlicher, schreiben die Forscher, unter anderem wegen höherer Mieteinnahmen und niedrigerer Infrastrukturkosten oder, wie in Leipzig-Halle, aufgrund moderater Bodenpreise. Die dortigen Brachflächen seien deswegen „als Investitionsstandort in besonderem Maße geeignet“.

Die Kommunen ihrerseits können nach Ansicht der Forscher ebenfalls von der Wiederbelebung der Flächen in der Stadt profitieren: Sie müssten Infrastrukturen dann nicht bis in die neu zu erschließenden Gebiete verlängern, sparten somit Geld, erhielten gleichzeitig eine Stadt der kurzen Wege und könnten dadurch eine nachhaltige und ökologisch korrekte Siedlungsentwicklung sicherstellen. Die Forscher kommen zu dem Ergebnis: „Alle betrachteten Brachflächen erwiesen sich gegenüber der ‚Grüne Wiese’-Flächen als ökoeffizienter.“

Mittelfristig, heißt es in der Studie, könne die „Brachflächenreaktivierung ein Baustein zur Erreichung der Ziele der Nationalen Nachhaltigkeitsstrategie“ sein. Das sei aber „nicht ohne weitere Maßnahmen möglich“. Dem Bund und den Ländern raten die Autoren deswegen unter anderem zum Stopp der finanziellen Förderung von Neuerschließungen neuer Gewerbeflächen. Den Städten empfehlen sie, ihre vorhandenen Brachen bekannter zu machen, durch ein öffentliches Kataster oder ein Internetportal etwa.

Wie diese Idee im Sinne einer nachhaltigen Stadtentwicklung greifen kann, zeigt die im Februar online gegangene Internet-Plattform baulueckenboerse.de . Die Stadt Freiburg im Breisgau und neun weitere Städte aus der wachstumsstarken Region bieten darüber bislang ungenutzte Baugrundstücke für Zu- und Umzugswillige an. Drei Bauflächen wurden bislang vermittelt. Interessierte finden auf der Baulückenbörse Exposés zu sämtlichen Angeboten, inklusive der jeweiligen Ansprechpartner in den Liegenschaftsämtern der teilnehmenden Kommunen. Der Service ist kostenlos.

Ähnliche kommunale Baulückenbörsen oder -verzeichnisse gibt es in vielen weiteren deutschen Städten und Gemeinden. Informationen über kommunale Flächenkataster und Brachlückenbörsen bietet etwa die Website des vom Rat für Nachhaltige Entwicklung mit angestoßenen Forschungsprojektes REFINA (Forschung für die Reduzierung der Flächeninanspruchnahme und ein nachhaltiges Flächenmanagement). Über Eingabe der Schlagwörter „Flächenkataster“ oder „Baulückenbörse“ in der Suchfunktion der Website finden sich dort weitere Praxisbeispiele.

Die vollständige UBA-Studie "Nachhaltiges regionales Flächenressourcenmanagement am Beispiel von Brachflächen der Deutschen Bahn AG. Integration von Flächen in den Wirtschaftskreislauf" (PDF, 4,5 MB) kann unter umweltdaten.de heruntergeladen werden.

Quelle: Rat für Nachhaltige Entwicklung

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Artikel vom: 20.08.2010 08:45
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