Berlin - Die Dynamik auf dem Arbeitsmarkt Umweltschutz hat nach Recherchen des Wissenschaftsladens Bonn im vergangenen Jahr spürbar nachgelassen. Die Zahl der offenen Stellenangebote für Ingenieure, Umweltmanager und weitere akademische Fachkräfte legte demnach lediglich um vier Prozent gegenüber 2008 zu. Im Vorjahreszeitraum verzeichneten die Arbeitsmarktbeobachter noch ein Plus von 22 Prozent. Die Finanz- und Wirtschaftskrise, sagt Krischan Ostenrath, Arbeitsmarktexperte des von Forschern verschiedener Disziplinen 1984 gegründeten Wissenschaftsladens, sei auch am „Beschäftigungsmotor Umweltschutz“ nicht vorbeigegangen. Jedoch seien längst nicht alle Branchen gleich stark betroffen. Und einige robuste Wachstumsmotoren blieben.
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| Rat für Nachhaltige Entwicklung |
Einen Abwärtstrend im Arbeitsmarkt Umweltschutz infolge der Krise kann das Umweltbundesamt (UBA) nicht ausmachen. „Durch die Wirtschafts- und Finanzkrise gab es im Jahr 2009 lediglich eine Wachstumsdelle“, sagt Andreas Burger, Fachgebietsleiter „Wirtschafts- und sozialwissenschaftliche Umweltfragen“. Die Delle sei teilweise Folge von Finanzierungsengpässen. Unternehmen hätten dadurch Umweltschutzinvestitionen aufgeschoben und angesichts unsicherer Zukunftsaussichten gezögert, neue Beschäftigte einzustellen. Betroffen gewesen sei davon beispielsweise der Maschinenbau, sagt der Volkswirt. Einige Öko-Branchen seien dagegen trotz Krise gewachsen und hätten neue Jobs geschaffen. Burger verweist auf die Branche der erneuerbaren Energien, die 2009 rund 22.500 mehr Menschen beschäftigt habe als im Vorjahr. Auch im Ökolandbau habe es mehr neue Stellen gegeben.
Die Aussichten für Jobsuchende auf dem Arbeitsmarkt Umweltschutz beurteilen Ostenrath, Trenkner und Burger positiv. „Von der jetzt wieder anspringenden Exportwirtschaft werden gerade Öko-Jobs profitieren“, sagt Arbeitsmarktexperte Ostenrath. greenjobs.de-Betreiber Trenkner glaubt, dass in Zukunft auch zunehmend „konventionelle Industrien Umweltexperten einstellen“. Neue Jobs entstünden dort beispielsweise durch die steigenden Umweltschutzanforderungen des Gesetzgebers.
UBA-Experte Burger verweist zudem auf den Weltmarkt für Umwelttechnologien. Der werde „in den nächsten Jahrzehnten überdurchschnittlich wachsen“, unter anderem aufgrund schwindender Ressourcen und der weiter zunehmenden Weltbevölkerung. Noch, sagt Burger, halte Deutschland auf dem Weltmarkt für Umweltschutzgüter zwar die Spitzenposition. Wolle die Bundesregierung sie gegenüber aufholenden Wettbewerbern wie China halten, müsse sie jedoch jetzt dafür sorgen, dass dem abzusehenden „wachsenden Arbeitskräftebedarf genügend ausgebildete Fachkräfte zur Verfügung stehen“. Das UBA lässt derzeit untersuchen, welche Qualifikationen auf den „grünen“ Märkten besonders gefragt sein werden und ob das Aus- und Weiterbildungsangebot in Deutschland dafür fit ist.
Ein von der Bundesregierung in Auftrag gegebener sogenannter Peer Review internationaler Experten hatte davor gewarnt, dass Deutschland seine gute Wettbewerbsposition auf dem Weltmarkt für Umwelttechnologien einbüßen könnte, falls es seine Anstrengungen auf diesem Sektor nicht verstärkt. Nachhaltigkeits- und Wirtschaftsexperten aus sieben Ländern hatten die Analyse 2009 mit Unterstützung des Rates für Nachhaltige Entwicklung erarbeitet.
Der Peer Review on Sustainable Development Policies in Germany / Peer Review der deutschen Nachhaltigkeitspolitik (in Deutsch und Englisch) steht unter nachhaltigkeitsrat.de zum Download bereit. Quelle: Rat für Nachhaltige Entwicklung
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Artikel vom: 03.09.2010 08:04
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