Berlin - Ein neues Expertengremium will weltweit akzeptierte Leitlinien für die integrierte Unternehmensberichterstattung zu Nachhaltigkeits- und Finanzfragen ausarbeiten. Das Anfang August gebildete „International Integrated Reporting Committee“ (IIRC) wird unter anderem von der Standards für Nachhaltigkeitsberichte entwickelnden Global Reporting Initiative getragen und will darauf hinwirken, dass Unternehmen nicht mehr, wie bisher, in getrennten Geschäfts-, und Nachhaltigkeitsberichten über ihre ökonomische und sozial-ökologische Leistung berichten, sondern diese Daten in einem Bericht vereinen. Deutsche Nachhaltigkeitsexperten halten diese Form der Berichterstattung für zukunftsweisend. Fraglich sei aber, wie viele deutsche Unternehmen den Aufwand für einen solchen Bericht leisten könnten.
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| Foto: ©Marko Greitschus/PIXELIO |
Ähnlich argumentiert Udo Westermann von der Unternehmerinitiative future e.V. – verantwortung unternehmen aus Münster. Das Netzwerk bewertet jährlich gemeinsam mit dem Berliner Institut für ökologische Wirtschaftsforschung die besten Nachhaltigkeitsberichte mittelständischer und großer Unternehmen aus Deutschland. „Integrierte Berichte“, sagt Westermann, „funktionieren nur, wenn das Unternehmen harte Nachhaltigkeitsdaten ermittelt“. In vielen Firmen werde die systematische Erhebung relevanter Daten gegenüber der Ermittlung wirtschaftlicher Kennzahlen aber stiefmütterlich behandelt. Ohne gleichwertige Datenstrukturen, sagt Westermann, könnten unabhängige Dritte bei der Prüfung der Berichte jedoch „nicht dieselben Maßstäbe ansetzen wie bei Finanz- oder Geschäftsberichten“. Das gehe zulasten der Glaubwürdigkeit.
Seiner Beobachtung nach halten sich deutsche Mittelständler und Konzerne mit „integrierten“ Berichten noch zurück. Nur eine Handvoll Unternehmen hätte sich bis jetzt daran versucht, der Chemie-Multi BASF beispielsweise oder die Stadtwerke Hannover. Dass bislang nicht mehr folgen, liegt nach Westermanns Einschätzung auch an unterschiedlich hohen Nachhaltigkeitsambitionen und Unklarheit über die Zielgruppen der Berichte. „Die Unternehmen fragen sich noch, ob ihre Leser überhaupt integrierte Berichte lesen wollen“, so Westermann. Nicht jeder Investor oder Aktionär wolle sich in Geschäftsberichten mit Nachhaltigkeitsfragen auseinandersetzen. Umgekehrt sei nicht jeder Leser von Nachhaltigkeitsberichten an Finanzindikatoren interessiert.
akzente-Berater Klein sagt dagegen, es sei „höchste Zeit, dass die Zielgruppenfixierung ein Ende hat“. Investoren oder Analysten stehen seiner Ansicht nach geradezu in der Pflicht, sich mit der Nachhaltigkeitsleistung eines Unternehmens ausführlich zu beschäftigen. Quelle: Rat für Nachhaltige Entwicklung
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