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Berlin - Deutschland kommt beim effizienteren Einsatz knapper Rohstoffe wie Erdöl, rarer Metalle oder sogenannter „Seltener Erden“ nicht voran: Zwischen 1994 und 2008 legte der für das nationale Nachhaltigkeitsziel maßgebliche Indikator „Rohstoffproduktivität“ laut Statistischem Bundesamt zwar nominell zu. Der von den Wiesbadener Statistikern in ihrem Indikatorenbericht Nachhaltige Entwicklung in Deutschland 2010 errechnete Effizienzzuwachs von rund 40 Prozent entpuppt sich Fachleuten zufolge bei genauerem Blick jedoch als Stillstand. „In absoluten Zahlen“, sagt Johannes Lackmann, Geschäftsführer des Berliner VDI Zentrums Ressourceneffizienz, „stagniert die Rohstoffproduktivität“. Wolle die Bundesregierung das ändern, müsse sie vor allem ihrer Steuerpolitik eine neue Richtung geben.

Altmetall-Verladung
Foto: ©klaas hartz/PIXELIO
„Wir brauchen sinkende Abgaben auf den Faktor Arbeit und steigende Steuern für den Ressourcenverbrauch“, sagt Lackmann. Unternehmen bräuchten ökonomische Anreize zum effizienten Rohstoffeinsatz. Die zu setzen, habe die Politik aber bis heute versäumt. Der Anteil der Energie- und Rohstoffkosten an den Gesamtkosten liege „im produzierenden Gewerbe bei gerade einmal zwei bis fünf Prozent“, sagt der Elektroingenieur. Arbeit dagegen werde über Sozialabgaben und Lohnsteuern mit mehr als fünfzig Prozent versteuert – mit dem Effekt, dass „die Arbeitsproduktivität seit Einführung der Sozialversicherung um 4.000 Prozent zugelegt hat“. Stillstand herrsche dagegen beim fast vollständig steuerbefreiten Einsatz von Rohstoffen. „Veränderungsdruck hin zu mehr Rohstoffeffizienz“, so Lackmann, „spüren die Unternehmen bis heute nicht“. Das sei weder ökologisch noch ökonomisch zukunftsfähig.

Ein schlichtes „Weiter-so“ in der Rohstoffpolitik verbietet sich auch nach Ansicht von Wissenschaftlern. Stefan Bringezu, Leiter der Forschungsgruppe „Stoffströme und Ressourcenmanagement“ am Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie, befürchtet bei einigen Rohstoffen bereits „kurz- bis mittelfristige Engpässe“. Der Forscher verweist unter anderem auf die für High-Tech-Produkte wie Kernspintomografen oder Katalysatoren benötigten „Seltenen Erden“ Neodym und Germanium. Verschärft würde die globale Rohstoffverknappung zudem durch das in vielen Ländern steigende Konsumniveau und die wachsende Weltbevölkerung. „Wenn alle Staaten ihren Rohstoffbedarf auf unser Niveau schrauben“, sagt Bringezu, „steigt die globale Nachfrage nach Biomasse, Mineralien, Metallen und fossilen Energieträgern bis Mitte des Jahrhunderts um das Zwei- bis Fünffache“.

Einen Königsweg zur Vermeidung von Engpässen sieht der Forscher nicht. Nötig sei ein „Bündel von Maßnahmen“ unter dem „konsistenten Dach einer nationalen Strategie zur nachhaltigen Ressourcennutzung“. Bislang stehe die jedoch noch aus. Das VDI Zentrum Ressourceneffizienz sieht Chancen für effizientere Produkte und Verfahren unter anderem in novellierten technischen Richtlinien. Und die Volkswirtin Katrin Ostertag vom Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI in Karlsruhe sagt, Politik und Wirtschaft müssten dafür sorgen, dass „bereits funktionierende Lösungen zur Steigerung der Rohstoffproduktivität auch eingesetzt werden“. Die Leiterin des ISI-Geschäftsfelds „Nachhaltigkeitsinnovationen und Politik“ wirbt daneben für eine „wesentlich differenziertere Darstellung der Entwicklung der Rohstoffproduktivität“, als es der derzeit in Deutschland verwendete Indikator erlaube.

Einen aussagekräftigeren Rohstoffindikator wünscht sich auch Geschäftsführer Lackmann. Er sagt, wenn der Indikatorenbericht des Statistischen Bundesamtes heute eine gestiegene Rohstoffproduktivität von rund 40 Prozent ausweise, sei das „eindeutig gemogelt“. Die Berechnung hinter dieser Messgröße unterschlage, dass deutsche Unternehmen „immer weniger Rohstoffe in ihrer ursprünglichen Form importieren, sondern immer stärker als Halb- und Fertigwaren einkaufen“. Und die in diesen Vorprodukten verbauten Rohstoffmengen flössen in die Berechnung der Rohstoffproduktivität nicht ein. Würden sie berücksichtigt, kämen auf jede importierte Tonne Vorprodukt vier Tonnen Rohstoffe.

Quelle: Rat für Nachhaltige Entwicklung

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Artikel vom: 03.09.2010 09:13
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