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Berlin -- Nach den heftigen Kontroversen, die zuletzt durch einige Industrie-Studien ausgelöst wurden, hat das Umweltbundesamt (UBA) eine Prüfung und Aktualisierung der Ökobilanzen für Getränkeverpackungen in Auftrag gegeben. FKN-Geschäftsführer Michael Brandl begrüßt die Auftragsvergabe ausdrücklich: "Wir haben dies bereits vor längerer Zeit angeregt. Uns wäre allerdings eine komplett neue Studie unter Regie des UBA lieber gewesen."

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Quelle: FKN
Im Juli 2010 brachten Zeitungen Meldungen, wonach PET-Einwegflaschen und Getränkedosen ökologisch genauso gut oder gar besser als Mehrwegflaschen abschneiden. Auslöser waren Studien der Industrievereinigung Kunststoffverpackungen (IK) und des europäischen Verbandes der Dosenhersteller (BCME). Umweltverbände und Mehrweg-Befürworter sprachen von Auftragsgutachten, falschen Daten und unrealistischen Annahmen. Das beauftragte IFEU-Institut sah sich daraufhin veranlasst, öffentlich darauf hinzuweisen, dass die komplexen Ergebnisse der Studien in den Medien verkürzt wiedergegeben wurden. An der ökologischen Überlegenheit von Mehrwegflaschen habe sich in den meisten Fällen nichts geändert.

Auch die Bundesregierung und das Umweltbundesamt blieben bei ihrer Bewertung, wonach PET-Einwegflaschen und Dosen ökologisch nachteilig seien. In einer Antwort auf eine Anfrage der Grünen vom 20. Juli 2010 heißt es überdies: "Die Bundesregierung erachtet das in der Verpackungsverordnung angestrebte Ziel in Höhe von 80 Prozent in Mehrweg- und ökologisch vorteilhaften Einweg-Getränkeverpackungen abgefüllter Getränke nach wie vor für umweltpolitisch sinnvoll."

Ökobilanzen in Frage gestellt

Im August 2011 vergab das UBA einen Forschungsauftrag zur "Prüfung und Aktualisierung der Ökobilanzen für Getränkeverpackungen". Auftragnehmer waren die Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung, das IFEU-Institut und Integral. Ergebnisse sollen 2014 vorliegen. Zum Hintergrund heißt es in den Ausschreibungsunterlagen: Die Ergebnisse der UBA-Ökobilanzen werden insbesondere von Wirtschafts- und Umweltverbänden wegen mangelnder Aktualität "zunehmend in Frage gestellt". Die derzeitige Bewertung der ökologischen Vorteilhaftigkeit beruhe zwar im Wesentlichen auf den UBA-Ökobilanzen von 1995, 2000 und 2002, aber auch aktuellere Studien von privater Seite würden geprüft.

Keine UBA III-Studie

Allerdings gebe es dabei das Problem, dass ein Vergleich der Daten schwierig sei. Häufig würden unterschiedliche Annahmen getroffen, die entscheidenden Einfluss auf die Ergebnisse haben können. Ziel des Forschungsvorhabens sei es deshalb auch, der Wirtschaft für die Zukunft einen Rahmen mit Anforderungen und Mindestqualitätskriterien vorzugeben, um den Prüfaufwand durch das UBA zu reduzieren. Das heißt, nicht die öffentliche Hand wird zukünftig Studien vergeben und finanzieren, sondern die betroffenen Wirtschaftskreise. Die Erwartung, das UBA würde eine Fortsetzung der UBA II-Studie mit einer umfangreichen Datenerhebung in Auftrag geben, wurde nicht erfüllt.

Es geht vor allem um die Bewertung vorhandener Ökobilanzen, also: Wie belastbar und repräsentativ sind die vorhandenen Daten? Welche Methodik wurde angewandt? Und: Wo gibt es Aktualisierungsbedarf? Daran anschließend sollen Schlussfolgerungen gezogen werden, welche Verpackungen als ökologisch vorteilhaft einzuordnen sind. Dies will das UBA in einem möglichst transparenten Verfahren erreichen, zu dem auch Fachgespräche mit Vertretern aus Industrie, Umwelt- und Verbraucherverbänden gehören.

Fakten statt Mutmaßungen

Dabei wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass nach der Verpackungsverordnung nur solche Einweg-Getränkeverpackungen als "ökologisch vorteilhaft" eingestuft werden, "die bereits ohne eine Rückführung über ein Pfandsystem keine wesentlichen Nachteile gegenüber dem marktbedeutendsten Mehrwegsystem im gleichen Getränkesystem haben". Eine durch das Pfandsystem erreichte hohe Recyclingquote gibt also ebenso wenig Pluspunkte wie der Vergleich mit Mehrwegsystemen, die im Markt keine Rolle spielen.

Der Fachverband Kartonverpackungen hat zuletzt 2006 eine Ökobilanz nach ISO-Regeln vorgelegt, die vom UBA geprüft wurde. "Interessierte Kreise hat dies aber nicht davon abgehalten, mit abenteuerlichen eigenen Berechnungen und Mutmaßungen die ökologische Vorteilhaftigkeit des Getränkekartons in Frage zu stellen", so FKN-Geschäftsführer Michael Brandl. Trotzdem ist Brandl davon überzeugt, dass der neue UBA-Ansatz dazu beitragen wird, mehr Sachlichkeit in die zuweilen aufgeregte Diskussion zu bekommen.

Quelle: Fachverband Kartonverpackungen für flüssige Nahrungsmittel e.V. (FKN)

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Artikel vom: 19.12.2011 09:44
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