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Bonn -- Der Schrottanteil an der deutschen Rohstahlproduktion liegt heute bei fast 50 Prozent. „Dies ist möglich, weil die Schrottwirtschaft durch effiziente Sammelsysteme und optimierte Aufbereitungstechniken den Abnehmern der Stahl- und Gießereiindustrie einen direkt einsetzbaren Rohstoff liefert “, erläuterte Ullrich Didszun, bvse-Vizepräsident und Vorsitzender des Fachverbands Schrott, E-Schrott und Kfz-Recycling, beim bvse-Branchenforum Schrott vor 150 Branchenvertretern am 29. November 2011.

bvse-Vizepräsident Ullrich Didszun
Foto: bvse
Gewerbliche Sammlung sichert Versorgung

Die mittelständisch geprägte Schrottwirtschaft bietet den jeweiligen Entfallstellen in Haushalt, Gewerbe und Industrie individuelle Entsorgungskonzepte an und bildet damit die tragfähige Basis für eine optimale Schrotterfassung und die Versorgung der abnehmenden Industrie. „Eine gesetzliche Beschränkung der Sammlung bei Haushalten und haushaltsnahen Gewerbebetrieben kann die Versorgungssicherheit der inländischen Abnehmer gefährden. Außerdem darf es nicht sein, dass die Recyclingwirtschaft über Jahrzehnte hinweg funktionierende und effiziente Sammelstrukturen aufbaut und sich die Kommunen nun ins gemachte Nest setzen und Rosinenpickerei betreiben. „Einen solchen Verdrängungswettbewerb per Gesetz wird der bvse nicht akzeptieren“, kündigte Didszun an.

End of Waste: Bisher kein Interesse

Angesichts der bestehenden engen Handelsbeziehungen zwischen Lieferant und Abnehmer, die sich durch die engen individuellen Qualitätsvorgaben an den Rohstoff Schrott eines jeden Abnehmers definiert, stellte der Fachverbandsvorsitzende die Sinnhaftigkeit der seit 9. Oktober geltenden End-of-Waste-Verordnung in Frage. Bisher wird sie in Deutschland nicht angewendet.

Dr.-Ing. Alexander Janz vom Bundesumweltministerium entgegnete, das vorzeitige Abfallende könne auf lange Sicht dazu beitragen, die Recyclingmärkte zu stärken und Gesundheits- sowie Umweltgefahren abzuwenden. Angesichts der erst wenige Wochen geltenden Verordnung warb Janz um etwas mehr Zeit, um die Auswirkungen der Option des Abfallendes bewerten zu können.

Tragende Säule der Schrottversorgung

„Der Stahlschrottmarkt hat sich in den letzten zehn Jahren stark verändert“, so die Einschätzung von Dr. Knut J. Schemme, Geschäftsführer der Rohstoff Recycling Osnabrück GmbH. Insgesamt sei der Handel internationaler geworden und die Schrottpreise immer stärker von der weltweiten Nachfrage abhängig. Die dadurch zunehmende Preisvolatilität verbunden mit einem steigenden Kapitalbedarf des Einzelnen fördere die Konzentrationsbestrebungen im Handel. Gerade hierin sieht Schemme jedoch eine Gefahr für die Versorgungssicherheit der inländischen Stahlwerke. Nur eine gesunde Mischung von kleinen und großen Lieferanten könne die Versorgung gewährleisten: „Die mittelständische Prägung des Schrotthandels in Deutschland bildet das Rückgrat für die Versorgung der heimischen Elektrostahlwerke.“

Flexibler im Markt

Diese Meinung teilt auch Ruggero Alocci, Geschäftsführer der italienischen Alocci Rappresentanze Industriali, mit Blick auf den weltweiten Schrotthandel: Nur 25 Prozent der Schrotte werden von den 20 größten Unternehmen der Branche gehandelt. Die restlichen 75 Prozent dagegen von Tausenden kleinen und mittelständischen Unternehmen. In Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheiten können diese Unternehmen flexibler im Markt agieren, weil sie vom Bankensystem weniger abhängig und frei von Anlegererwartungen sind. Auch wenn die Stahlnachfrage nach Einschätzung Aloccis wegen der trüben Aussichten im kommenden Jahr fallen könnte, rechnet er dennoch mit einer stabilen Schrottnachfrage und insgesamt positiven Zukunftsaussichten für die mittelständische Stahlschrottbranche.

Quelle: bvse - Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung e. V.

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Artikel vom: 02.01.2012 09:26
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