Bonn -- Das Jahr 2011 ist für die Kunststoffrecycler weitgehend positiv verlaufen, so die Einschätzung von Dr. Dirk Textor, Vorsitzender des bvse-Fachverbandes Kunststoffrecycling im Vorfeld des 15. Internationalen Altkunststofftages 2012, der am 12./13. Juni in Bad Neuenahr stattfinden wird. Der Absatz von Recyclaten gewann weiter an Profil, auch wenn die Märkte für die Kunststoffaufbereiter und Kunststoffverwerter volatil blieben. Die Nachfrage nach Kunststoffen war zwar deutschlandweit gut, europaweit und weltweit blieb die Situation jedoch angespannt.
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| Foto: ©Kroll/Recyclingportal |
Märkte und Mengen schwankend
Den PET-Verarbeitungskapazitäten stehen jahreszeitlich stark schwankende Input-Mengen zur Verfügung. Darüber hinaus verschlechtern sich die Inputqualitäten immer wieder. Die verbreitete Praxis der Händler, Preise für PET-Flaschenabfälle künstlich hoch zu halten, indem erhebliche Mengen zu geringeren Preisen nach Fernost exportiert werden, machte den Recyclern in Europa das Leben schwer. Zudem können die hohen Inputpreise für die PET-Ballenware nur begrenzt an die Mahlgüter und Recyclate weitergegeben werden.
Die Märkte für Kunststoffabfälle und Recyclate schwanken stark. Hier kommt es immer wieder zu Margenverlusten weil steigende Einkaufspreise für Kunststoffabfälle bei gleichzeitig sinkenden Preisen für Recyclate nicht an die Kunststoffverarbeiter weitergegeben werden und geringere Einkaufspreise nicht realisiert werden können, beschreibt Dr. Dirk Textor, Vorsitzender des bvse-Fachverbands Kunststoffrecycling, die Situation.
Duale Systeme bremsen
Das Erfassen und Sortieren von Kunststoffen aus Verpackungen war auch 2011 wegen der umfassend und vertikal aufgestellten Dualen Systeme für den Mittelstand in Deutschland kaum noch attraktiv. Darüber hinaus beziehen sie Mengen aus dem benachbarten Ausland und lassen diese in Deutschland aufbereiten. Auch der Fernostexport von bestimmten Qualitäten erfolgt mittlerweise über Duale Systeme.
Schon seit einiger Zeit setzten die Dualen Systeme dem Kunststoffrecycling sehr enge Grenzen, beschneiden damit den freien Markt, behindern Innovationen und greifen so vermehrt in das Kunststoffrecycling ein, beobachten die Mitglieder des bvse-Fachverbandes Kunststoffrecycling. Diese Probleme haben sich im laufenden Jahr nicht nur fortgesetzt, sondern verstärkt, was zur Folge hat, dass die Qualitäten bei Mischkunststoffen, Folien und PP immer schlechter werden, bedauert Textor. Er ruft die Marktbeteiligten deshalb auf, hier nachzusteuern und der hochwertigen Weiterverarbeitung nicht den Weg zu verbauen. Hier sieht der bvse-Fachverbandsvorsitzende insbesondere auch die Dualen Systeme in der Pflicht, denen es offensichtlich eher um Masse statt um Qualität ginge.
Fernost verliert an Bedeutung
Der europäische Binnenmarkt gewinnt für das Kunststoffrecycling gegenüber den Fernostmärkten zunehmend an Bedeutung. Damit werden die europäischen Kunststoffmärkte immer unabhängiger vom Export nach Asien, wo inzwischen sehr selektiv nach Preis und Qualität geordert wird. Auch der hohe Euro-Dollar-Wechselkurs hat das Fernostgeschäft 2011 beeinträchtigt. Darüber hinaus wurden chinesische Importbeschränkungen wirksam.
Nachfrage nach Qualität wird weiter steigen
Im Wirtschaftsjahr 2011 ist die Kunststofferfassungsmenge um vier Prozent gestiegen. Für 2012 prognostizieren die Mitglieder des bvse ein Wachstum um drei Prozent. Auch im ersten und zweiten Quartal 2012 konnte eine gute Nachfrage nach Recyclaten festgestellt werden. Die seit 2010 vermehrt zu beobachtenden Insolvenzen von Kunststoffrecyclern sind beunruhigend, allerdings stehen dem auch Neugründungen und Markteintritte gegenüber. Für die Unternehmen der Branche wird es schwieriger, sich am Markt zu behaupten. Klar ist aber auch: Gute Qualitäten finden immer ihren Absatz, so das Fazit von Dirk Textor. Quelle: bvse-Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung e.V.
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Artikel vom: 25.05.2012 11:38
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